Beleuchtete Tastatur eines Computers vor schwarzem Hintergrund | dpa

Kurz vor der Bundestagswahl EU wirft Russland Cyberangriffe vor

Stand: 24.09.2021 15:44 Uhr

Die EU erhebt schwere Vorwürfe gegen Russland. Durch Cyberattacken würden Daten abgegriffen, um gezielt Falschinformationen zu verbreiten. Die Ziele: Politiker, Journalisten, Aktivisten - auch in Deutschland.

Die EU wirft Russland schwere Cyberattacken im Internet vor - vorrangig, um gezielt falsche Informationen im Netz zu verbreiten. Auch die Bundesregierung hatte vor Kurzem ähnliche Anschuldigungen erhoben.

In der Erklärung der 27 EU-Staaten ist von "bösartigen Aktivitäten" die Rede, die sich gezielt gegen Abgeordnete, Regierungsbeamte, andere Politiker sowie Vertreter der Presse und der Zivilgesellschaft in der EU richten sollen.

"Bedrohung demokratischer Werte"

Bei den Cyberattacken würden die Täter versuchen, auf persönliche Konten der Betroffenen oder fremde Computersysteme zuzugreifen. Die EU ließ keinen Zweifel daran, dass sie teilweise russische Akteure hinter diesen Attacken sieht. Die Mitgliedsstaaten forderten Russland auf, die Normen für verantwortungsvolles staatliches Verhalten im Cyberraum einzuhalten. Angriffe im Internet seien "inakzeptabel", da sie die "Integrität und Sicherheit, die demokratischen Werte und Prinzipien" der EU-Länder bedrohen würden.

In der Erklärung wird auch die Kampagne "Ghostwriter" als Beispiel für solche Attacken im Netz aufgeführt. Die Gruppierung hinter dieser Kampagne ist bereits seit Längerem aktiv. So gab es etwa im März dieses Jahres Hackerangriffe auf die Konten und Daten mehrerer Bundestagsabgeordneter und Dutzender Landtagsvertreter. Die Täter nutzten dabei sogenannte Phishing-Mails, um die Zugangsdaten und Passwörter der Zielpersonen abzugreifen.

Generalbundesanwaltschaft ermittelt

Vor rund zwei Wochen nahm schließlich auch die Generalbundesanwaltschaft Ermittlungen wegen der "Ghostwriter"-Kampagne auf. Zuvor hatte die Bundesregierung mitgeteilt, sie vermute den russischen Militärgeheimdienst GRU hinter den Angriffen und warf Russland ein "inakzeptables Vorgehen" vor.

Russland selbst bestreitet sämtliche Vorwürfe. Als Reaktion auf die Stellungsnahme der Bundesregierung teilte das Außenministerium in Moskau mit, es gebe keinerlei Beweise "für eine Beteiligung der Russischen Föderation an diesen Attacken".

Die EU kündigte an, sich auch weiterhin mit der Problematik befassen zu wollen und "weitere Schritte in Betracht zu ziehen". Welche Maßnahmen dabei im Raum stehen, blieb in der Erklärung der Mitgliedsstaaten jedoch offen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. September 2021 um 16:00 Uhr.