Smog über Krakau (Polen) | picture alliance/dpa/PAP

Bericht der EU-Umweltagentur Wo Feinstaub Europas Luft belastet

Stand: 17.06.2021 00:01 Uhr

Die Europäische Umweltagentur hat zwei Jahre lang den Grad der Luftverschmutzung durch Feinstaub in Großstädten gemessen. Zwar wurde die Luftqualität besser - doch vielerorts drohen weiter Gesundheitsschäden. Welche Städte aufatmen können.

Von Gudrun Engel, ARD-Studio Brüssel

Zwei Jahre lang hat die Europäische Umweltagentur in Kopenhagen Daten aus europäischen Großstädten gesammelt, um zu bewerten, wie gut oder schlecht die Luftqualität dort ist. 323 Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern haben Messwerte geliefert - von Trondheim in Norwegen bis Funchal auf der portugiesischen Insel Madeira. Das Ergebnis ist zwiespältig: Zum einen verbessert sich die Luftqualität in Europa generell seit Jahren stetig, zum anderen gibt es immer noch Städte, vorwiegend in Regionen mit Schwerstindustrie, die massiv unter der Luftverschmutzung durch Feinstaub und Ozon leiden. 

Gudrun Engel ARD-Studio Brüssel

In den vergangenen beiden Jahren waren die drei saubersten Städte in Europa in Bezug auf die Luftqualität Umea in Schweden, Tampere in Finnland und Funchal auf der portugiesischen Insel Madeira. Die drei am stärksten verschmutzten Städte waren Nowy Sacz in Polen, Cremona in Italien und Slavonski Brod in Kroatien.

Deutsche Städte über WHO-Grenzwerten

Von 323 Städten wird die Luftqualität in 127 Städten als grundsätzlich gut eingestuft. Das bedeutet, dass sie unter dem von der Weltgesundheitsorganisation festgelegten Richtwert von zehn Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft liegen.

Deutsche Städte liegen allesamt im Mittelfeld des europäischen Vergleiches, wobei die meisten dennoch über den Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation liegen. Die sauberste Luft im Vergleich meldeten Göttingen, Freiburg und Darmstadt. Schlechte Werte verzeichnen hingegen Berlin, Frankfurt oder Essen.

Ausgewertet wurden Daten aus Städten, die ihre Luftqualität gemäß den EU-Richtlinien gemeldet haben. Sie stammen aus Bodenmessungen von mehr als 400 Messstationen in städtischen und vorstädtischen Gebieten. Die Energieproduktion, Landwirtschaft und Mobilität - also Verkehr und Industrie - sind die größten Produzenten von Luftschadstoffen wie Feinstaub. Deshalb sind besonders Regionen mit Schwerindustrie von schlechter Luftqualität und Smog betroffen.

417.000 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub

Luftverschmutzung ist und bleibt die Nummer eins der Gesundheitsrisiken in Europa. Wissenschaftliche Studien ergaben, dass 17 Prozent der Fälle von Lungenkrebs, zwölf Prozent der Herzinfarkte und elf Prozent der Schlaganfälle im Zusammenhang mit erhöhter Feinstaubbelastung stehen.

"Obwohl sich die Luftqualität in den letzten Jahren deutlich verbessert hat, bleibt die Luftverschmutzung in vielen Städten in ganz Europa hartnäckig hoch", warnt deshalb der Direktor der Europäischen Umweltagentur, Hans Bruyninckx. Die jüngste jährliche Luftqualitätsbewertung der Kopenhagener Behörde ergab, dass Feinstaub im Jahr 2018 in 41 europäischen Ländern für insgesamt 417.000 vorzeitige Todesfälle verantwortlich war.

Online Info-Plattform zum Städtevergleich startet

Auf einer Europäischen Luftqualitäts-Plattform können EU-Bürger von heute an online überprüfen, wie sich die Luftqualität in der Stadt, in der sie leben in den vergangenen zwei Jahren entwickelt hat - und sie mit anderen Städten in ganz Europa vergleichen.

Die Experten erhoffen sich davon nicht nur eine bessere Information für die Bürgerinnen und Bürger, sie setzen auch auf eine Initialzündung: "Dieser Luftqualitäts-Viewer für Städte liefert konkrete und lokale Informationen, die die Bürger gegenüber ihren lokalen Behörden befähigen können, die Probleme anzugehen", hofft Hans Bruyninckx.

Die EU-Kommission will im kommenden Jahr neue Standards für die Luftqualität festlegen. Derzeit gilt das Ziel, die Belastung der Bevölkerung durch Feinstaub und Ozon bis zum Jahr 2030 um 55 Prozent zu senken. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es ein so engmaschiges Netz an Messstellen, um das auch zu kontrollieren.