Menschen kampieren vor der Katastrophenschutzbehörde in Herat, Afghanistan (Archivbild). | dpa

Nach Taliban-Machtübernahme EU nimmt etwa 40.000 Afghanen auf

Stand: 10.12.2021 02:21 Uhr

15 EU-Staaten wollen ungefähr 40 000 Menschen aus Afghanistan aufnehmen, wo die Situation nach der Machtübernahme der Taliban immer dramatischer wird. Deutschland nimmt aus dem Kontingent 25.000 Menschen auf.

Angesichts der dramatischen Lage nach der Machtübernahme der Taliban wollen Deutschland und 14 weitere EU-Staaten etwa 40.000 besonders schutzbedürftige Menschen aus Afghanistan aufnehmen. Diese Zahl gab EU-Innenkommissarin Ylva Johansson nach einer Sitzung der EU-Innenminister bekannt.

Einem Schreiben von Johansson an die beteiligten Innenministerinnen und -minister zufolge ist allein Deutschland bereit, 25.000 Flüchtlinge aus Afghanistan aufzunehmen.

Insgesamt 60.000 Aufnahmen aus der Region

In den vergangenen Monaten haben die EU-Staaten nach Angaben der Kommission bereits rund 28.000 Menschen aus dem Land evakuiert. Die nun genannten 40.000 kommen demnach hinzu. Dem Johansson-Brief zufolge gibt es ganz konkret 38.146 Zusagen.

In dem Schreiben, das der dpa vorliegt, ist insgesamt von 60.000 zugesagten Aufnahme-Plätzen der EU-Länder für 2021 und 2022 die Rede. Allerdings gilt diese Zahl nicht nur für Afghanistan. Rund zwei Drittel davon seien für den Schutz von Afghanen, schreibt Johansson.

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung hat nicht ausreichend zu essen

Die Aufnahme der Menschen wird aus EU-Mitteln kofinanziert. Die EU-Staaten hatten nach der Machtübernahme der Taliban Ende August beschlossen, vorerst keine konkreten Zusagen zur Aufnahme von Menschen aus Afghanistan zu machen. So sollten Anreize zur illegalen Migration vermieden werden. Stattdessen solle sichergestellt werden, dass notleidende Menschen in der unmittelbaren Nachbarschaft Afghanistans angemessen Schutz erhalten, hieß es damals.

Die Lage in Afghanistan ist nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban Mitte August dramatisch. Das Land leidet unter einer der schwersten Dürren der vergangenen zwei Jahrzehnte. Die Wirtschaft war bereits angeschlagen, bevor die Taliban an die Macht kamen und befindet sich nun im freien Fall.

Der UN zufolge hat mehr als die Hälfte der Bevölkerung nicht ausreichend zu essen. Weibliche Opfer von Gewalt bekommen Amnesty International zufolge kaum noch Hilfe. Viele Menschen fürchten Vergeltungsmaßnahmen der Taliban und versuchen zu fliehen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Dezember 2021 um 07:30 Uhr.