Mitglieder des WHO-Untersuchungsteams vor einer Klinik in Wuhan (China) im Januar 2021. | REUTERS

Ursprung von Sars-CoV-2 Nach 18 Monaten immer noch im Dunkeln

Stand: 12.06.2021 03:57 Uhr

Lehren aus der Pandemie zu ziehen - auch darum bemüht sich der G7-Gipfel. Doch eine Frage bleibt ungeklärt: Woher stammt das Sars-CoV-2-Virus? Die Forderung an China, neue Untersuchungen zuzulassen, wird lauter.

Von Georg Mascolo, NDR/WDR

Der Druck auf China, eine umfassende Untersuchung der Herkunft des Sars-CoV-2-Virus zuzulassen, wächst. Bei einer internen Sitzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in dieser Woche verlangten die Vertreter der EU-Staaten, "ohne weitere Verzögerung" eine weitere Aufklärungsmission in die Wege zu leiten. Nur eine umfassende Untersuchung der Herkunft des Virus "wird uns helfen diese Pandemie zu verstehen und zu kontrollieren", erklärten die EU-Vertreter.

Georg Mascolo

Öffentlich erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: "Wir müssen wissen, woher dieses Virus gekommen ist." Dies sei notwendig, um weitere Pandemien zu verhindern - oder sich zumindest auf diese vorzubereiten. Auch bei dem in der kommenden Woche in Brüssel anstehenden EU-USA-Gipfel wird eine entsprechende Erklärung dieses Inhalts erwartet. Im Entwurf der Erklärung heißt es, eine "transparente, faktengestützte und von Experten geleitete" Untersuchung unter Leitung der WHO sei notwendig. Diese müsse "frei von Beeinflussungen" stattfinden.

Viele Fragen immer noch ungeklärt

Mit den Erklärungen wächst jetzt auch der Druck auf die WHO, eine weitere Mission nach China zu entsenden. 18 Monate nach Bekanntwerden der ersten Infektionsfälle liegt die Herkunft des Virus noch immer im Dunkeln. Viele Wissenschaftler halten einen Ursprung in der Natur für wahrscheinlich, aber auch ein Laborunfall wird nicht ausgeschlossen. Das "Wuhan Institute of Virology" ist das Zentrum der chinesischen Virenforschung. US-Präsident Joe Biden hat die US-Geheimdienste angewiesen, die Frage des Ursprungs noch einmal gründlich zu untersuchen. Das Ergebnis wird in diesem Sommer erwartet.

Eine Kommission aus WHO-Experten und chinesischen Wissenschaftlern hatte den Ausbruch in diesem Jahr untersucht, allerdings verweigerte die chinesische Staatsführung die Einsicht in Originalunterlagen und ließ auch nur einen etwas über dreistündigen Besuch in dem Labor in Wuhan zu. Schließlich drängte sie darauf, dass die Laborthese in dem Untersuchungsbericht nur kurz zur Sprache kam. Stattdessen forderte sie, dass die These, dass das Virus auch auf tiefgefrorenen Lebensmitteln nach China gekommen sein könnte, in den Bericht aufgenommen wurde.

Wie China überzeugen?

In der WHO wird jetzt nach Wegen gesucht, wie man China von der Notwendigkeit weiterer und endlich auch gründlicher Untersuchungen überzeugen kann. Hierzu würde nach Angaben aus Diplomatenkreisen Zugang zu den Ergebnissen chinesischer Untersuchungen, Krankenakten, aber vor allem auch zum Labor selbst gehören. Im Mittelpunkt würde die Frage stehen, welche Experimente an Coronaviren in Wuhan stattfanden und ob es womöglich versehentlich zu einer Infektion einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters des Labors gekommen sein könnte.

Die Erfolgsaussichten allerdings werden als gering eingeschätzt. China vertuschte zunächst den Ausbruch der Seuche und blockierte dann monatelang jede Untersuchung. Der frühere US-Präsident Donald Trump legte dann nahe, ein Laborunfall sei so gut wie bewiesen. China müsse Schadensersatz für die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Kosten der Pandemie leisten. Noch heute heißt es in der Bundesregierung, das Klima sei "vergiftet".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 27. Mai 2021 um 19:37 Uhr.