Rettungskräfte und ein Bagger beim Einsatz nach dem Erdrutsch auf Ischia | REUTERS

Unwetter auf Ischia Suche nach Vermissten geht weiter

Stand: 27.11.2022 13:54 Uhr

Nach dem Unwetter auf Ischia haben Rettungskräfte heute ein totes Mädchen gefunden. Zehn Menschen werden noch immer vermisst. Im Laufe des Tages will die italienische Regierung den Notstand für die Region ausrufen.

Nach dem verheerenden Unwetter auf der italienischen Insel Ischia suchen die Behörden weiter nach Vermissten. Die Rettungskräfte waren die ganze Nacht über im Einsatz, wie mehrere Medien berichteten. Zehn Menschen - darunter zwei Familien mit Kindern - gelten nach Angaben der Behörden als vermisst. Bestätigt ist, dass eine Frau und ein Mädchen im Alter zwischen fünf und sechs Jahren durch das Unwetter ums Leben kamen, vier Menschen wurden verletzt - einer von ihnen schwer.

Die zuständige Präfektur in der süditalienischen Stadt Neapel ist heute zu einer Krisensitzung zusammengekommen. Nach Informationen aus der Sitzung evakuierten die Einsatzkräfte bislang 167 Menschen aus ihren Häusern und brachten sie unter anderem in einem Hotel unter. Etwa 150 Feuerwehrleute und circa 220 Polizisten sind vor Ort im Einsatz.

Auch die Regierung in Rom will sich heute zur Ministerratssitzung treffen, um in der Region den Notstand zu erklären. Das ist unter anderem nötig, damit schnell Gelder freigemacht werden können.

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Die Folgen des Erdrutsches auf Ischia

Mehrere Autos ins Meer gespült

Italiens Innenminister Matteo Piantedosi erklärte, die Suche nach den Vermissten auf der Insel im Golf von Neapel gehe weiter - die Wetterlage habe sich mittlerweile gebessert. Helfer hatten sich in der Hafenstadt Casamicciola durch gewaltige Mengen an Schlamm und Geröll wühlen müssen, die sich laut Feuerwehr teils sechs Meter hoch türmten. Medienberichten zufolge wurden auch Taucher hinzugezogen.

In der Nacht zu Samstag hatten Sturm und Starkregen die Insel getroffen und vor allem in Orten an der Nordküste schwere Schäden angerichtet. An Hängen gingen Erdrutsche ab, Fluten aus Wasser, Schlamm und Gestein trieben durch die Straßen, Autos und Busse wurden beschädigt und teilweise bis ins Meer gespült.

Mehrere Autos wurden durch die Wucht der Wasser- und Schlammmassen ins Meer gespült | REUTERS

Mehrere Autos wurden durch die Wucht der Wasser- und Schlammmassen ins Meer gespült. Bild: REUTERS

Hohe Wassertemperaturen begünstigen Unwetter

Nach offiziellen Statistiken hatte es auf Ischia seit 20 Jahren in so kurzer Zeit nicht mehr so heftig geregnet wie in der Nacht auf Samstag. In den vergangenen Wochen kam es in der Mittelmeer-Region zu mehreren heftigen Unwettern. So war etwa auf Kreta Mitte Oktober binnen einer Stunde nach Angaben von Meteorologen so viel Regen gefallen, wie normalerweise im gesamten Monat. Auch an der spanischen Mittelmeerküste hatte es zuletzt Unwetter gegeben, deren Heftigkeit von Meterologen als ungewöhnlich eingestuft wurde.

Experten sehen auch einen Zusammenhang mit dem Klimawandel. Das Mittelmeer hat sich in diesem Sommer ungewöhnlich stark aufgeheizt und ist auch jetzt noch vergleichsweise warm. Aufgrund der hohen Temperaturen verdampft mehr Wasser. Und je mehr Wasserdampf in der Luft ist, desto mehr Energie steht Schauern und Gewittern zur Verfügung - das heißt, desto heftiger können sie werden, so die Einschätzung des Wetterkompetenzzentrum der ARD.

Verdacht auf illegale Bebauung

Verschärft wurde die Lage offenbar auch durch Bautätigkeit in Hochrisikogebieten. Die Gegend gilt als Risikogebiet für Erdrutsche. "Es gibt Gelände, das nicht besiedelt werden kann", sagte der Geologe Riccardo Caniparoli im italienischen Fernsehsender RAI. Dabei sei gegen Normen und Gesetze verstoßen worden. Der Sprecher der italienischen Feuerwehr, Luca Cari, sagte, im obersten, an einem Berghang gelegenen Teil der Stadt bestehe weiterhin die Gefahr von Erdrutschen.

Papst Franziskus wandte sich an die Bewohnerinnen und Bewohner der Insel und versicherte ihnen seine Nähe. Er bete für die Opfer und die Rettungskräfte. Auch die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni äußerte sich. Die Regierung sei Bürgern, Bürgermeistern und Ortschaften auf Ischia eng verbunden, erklärte sie.

Über dieses Thema berichteten am 27. November 2022 tagesschau24 um 09:00 Uhr und die tagesschau um 09:55 Uhr.