In Lulea (Schweden) wirbt ein Video auf einer öffentlichen Videowand dafür, sich zu zu grüßen.
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Kampagne in Schweden Ein "Hej" gegen Einsamkeit

Stand: 18.11.2023 11:02 Uhr

Wenn in Schweden die Tage kälter und kürzer werden, schlägt das vielen aufs Gemüt. Mit einer Aktion ermuntert die Industriestadt Luleå die Menschen, sich freundlich zu grüßen. Hilft das gegen den Trübsinn?

Wer hoch oben im schwedischen Norden lebt, sollte wetterfest sein. Der erste Schnee liegt bereits. Vor die Tür geht’s nur mit dicker Jacke, Mütze und Handschuhen.

Vielleicht liegt es auch daran, dass die Schweden nicht als die Weltmeister des Smalltalks gelten. Dabei könnte ein einfaches Hallo - auf Schwedisch Hej - doch schon vieles bewirken, findet Åsa Koski.

"Es gibt Forschung, die belegt, dass sich gegenseitiges Grüßen positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit auswirken", erklärt die 44-Jährige, die für die Stadtverwaltung in Luleå arbeitet. "Wir hatten also das Gefühl, dass wir etwas tun müssen!"

"Hej-Kampagne" gegen Einsamkeit in den schwedischen Wintern

Christian Blenker, ARD Stockholm, Europamagazin, 19.11.2023 12:45 Uhr

Einsamkeitsgefühle - keine Ausnahme

Laut einer Umfrage der Gesundheitsbehörde fühlt sich in Schweden jeder Vierte einsam. Besonders ältere Menschen seien betroffen. Die Schauspielerin Eva-Britt Tjernquist spielt in einem Video der Kampagne mit, das zum freundlichen Grüßen anregen soll.

Sie lebt schon lange allein und hofft, dass sich die Menschen nicht nur in Luleå durch ein kleines "Hej" wieder etwas näherkommen. 

Keiner spricht gerne über Einsamkeit. Ich vermisse die Gespräche. Man kommt nach Hause und hat niemanden, mit dem man reden kann. Aber dann raffe ich mich auf und rufe jemanden an, erzähle etwas und frage, was der andere denkt. Man muss also etwas tun, neue Lösungen finden.
In Lulea (Schweden) sprechen Schüler über ihr Miteinander.

Ein Gespräch über das tägliche Miteinander - schon Schüler merken, dass man einander im Alltag oft übersieht.

Keine Frage des Alters

Kosaki und Tjernquist jedenfalls gehen auf den Straßen von Luleå nun mit gutem Vorbild voran und grüßen jeden, der vorbeikommt, herzlich. Koski erzählt unterwegs, dass sich mittlerweile auch die 16- bis 29-Jährigen oft allein fühlen.

Am Nachmittag schaut sie deshalb bei einem Gymnasium vorbei, um über das Thema zu sprechen. "Grüßt ihr Eure Mitschüler auf dem Flur?", will Koski wissen. Die Gruppe junger Schüler vor ihr wirkt etwas verlegen. "Wenn jemand an mir vorbeigeht, schau ich hoch. Aber viele gehen mit sturem Blick einfach weiter", erzählt einer. 

In einem See bei Schweden baden Einheimische

Das eisige Bad bringt in Lulea viele Menschen zusammen.

In Lulea (Schweden) sitzen Einheimische in einer Sauna

Danach geht es dann in die Sauna - zum Schwitzen und Entspannen.

Eisbaden kann auch verbinden

Manchmal muss man die Gewohnheiten aufbrechen, wie das erste Eis der Ostsee. Pontus Wikström sägt ein Loch in das zugefrorene Ufer. Trotz Minusgraden wollen sie hier gleich ins Wasser. Der Schwede hat in Luleå einen Verein der Eisbader gegründet. Die meisten der 500 Mitglieder kommen am Wochenende. Nach dem Bad im eiskalten Wasser geht es in eine kleine Sauna.

Ein Platz finde sich fast immer, erzählt Pontus. Gemeinsam zu schwitzen und im Eis zu baden - nichts helfe besser gegen Einsamkeit. "Es ist eine gute Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen. Auch für viele Menschen, die unter unfreiwilliger Einsamkeit leiden. Hier geht es ihn ihnen zumindest eine Zeit lang besser."

Hier oben, nur wenige Kilometer vom Polarkreis entfernt, kommt nun die dunkelste Zeit des Jahres. Bis Mitte Dezember werden die Tage immer kürzer. Es gibt viele Mittel, um da nicht auch noch allein durchzumüssen. Ein freundliches "Hej" auf der Straße zum Beispiel, finden sie in Luleå, kann da schon helfen. 

Diese und weitere Reportagen sehen Sie im Europamagazin - am Sonntag um 12.45 Uhr im Ersten.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete das Erste in der Sendung "Europamagazin" am 19. November 2023 um 12:45 Uhr.