Mario Draghi und Papst Franziskus | EPA

Papst und Draghi besorgt Warnung vor einem "Italien ohne Kinder"

Stand: 14.05.2021 16:28 Uhr

Ministerpräsident Draghi und Papst Franziskus zeigen sich alarmiert angesichts der sinkenden Geburtenrate in Italien: 2020 wurden nur 404.000 Geburten registriert - die wenigsten seit 1861. Nun will die Regierung gegensteuern.

Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi hat sich besorgt über den dramatischen Geburtenrückgang in seinem Land gezeigt. "Ein Italien ohne Kinder ist ein Italien, das keine Zukunft hat. Ein Italien, das langsam aufhört, zu existieren", warnte er bei einer Konferenz, an der auch Papst Franziskus teilnahm.

Das Land hat seit etlichen Jahren eine der niedrigsten Geburtenraten in Europa. Es sei, als wenn "jedes Jahr eine Stadt mit über 200.000 Einwohnern verschwindet", beklagte Franziskus. 2020 wurden in Italien nach amtlichen Angaben 404.000 Geburten registriert, die wenigsten in einem Jahr seit 1861.

Der Papst sagte, soziale Sicherheit für junge Leute und Familien sollte gestärkt werden. "Wir sprechen oft von wirtschaftlicher, technologischer und ökologischer Nachhaltigkeit. Aber wir müssen auch über die Nachhaltigkeit der Generationen sprechen", so das Kirchenoberhaupt. Es sei "dringend notwendig, jungen Menschen Garantien für eine ausreichend stabile Beschäftigung, Sicherheit für ihr Zuhause und Anreize zu bieten, das Land nicht zu verlassen".

Weiterer Rückgang erwartet

Auf der "Generalversammlung zur Geburtenrate" berieten auch Vertreter von Behörden, Banken, Wirtschaft, Versicherungen, Medien und Sport über den "demografischen Winter". Die Geburtenrate in Italien liegt bei 1,27 pro Frau. Der EU-Durchschnitt liegt laut Eurostat-Zahlen von 2019 bei 1,53. Die Corona-Pandemie hatte im vergangenen Jahr den Bevölkerungsrückgang verstärkt. Das Defizit zwischen Geburten und Sterbefällen stieg auf 342.000 - die größte Kluft seit der Spanischen Grippe 1918.

Für dieses Jahr rechnen die Experten des nationalen Statistikamtes sogar nur noch mit 384.000 bis 393.000 Geburten. Auch hierfür wird vor allem die Corona-Krise mit ihren Unsicherheiten verantwortlich gemacht, die den Wunsch nach Kindern nicht nur in Italien sinken ließ.

Mehr Geld für Kindertagesstätten und Grundschulen

Draghi und seine Regierung wollen nun bewusst gegensteuern. Das bisher vor allem auf die Älteren zugeschnittene Sozialsystem, in dem Renten und die Gesundheitsversorgung für sie einen großen Teil des Haushalts einnehmen, soll umgekrempelt werden. Ein großer Teil von Draghis Programm zur Erholung von der Corona-Pandemie, das 221,1 Milliarden Euro umfasst, soll nun in Kindertagesstätten und Grundschulen fließen. Investitionen in digitale und ökologische Industrien sollen Arbeitsplätze für junge Leute schaffen. Zudem gibt es Förderprogramme zum Erwerb von Wohneigentum.

Papst Franziskus lobte diese Initiativen und verwies zugleich darauf, dass Italien mit seiner demografischen Entwicklung kein Einzelfall sei: Europa sei dabei, "der 'alte Kontinent' zu werden - nicht wegen seiner ruhmreichen Geschichte, sondern wegen seines fortgeschrittenen Alters".

Über dieses Thema berichtete die Deutsche Welle "The Day Arts and Culture " am 31. März 2021.