Das Verlegeschiff "Audacia" des Offshore-Dienstleisters Allseas verlegt in der Ostsee vor der Insel Rügen Rohre für die Gaspipeline Nord Stream 2 (Archivbild). | dpa

Streit über Nord Stream 2 Maas warnt vor Abschottung Russlands

Stand: 01.07.2021 19:31 Uhr

Die Pipeline Nord Stream 2 belastet das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen massiv. Bei einem Warschau-Besuch sagte Außenminister Maas, ein Ende der Wirtschaftsbeziehungen mit Moskau sei riskant. Polen bangt aber um seine Sicherheit.

Im Streit um die Gaspipeline Nord Stream 2 hat Außenminister Heiko Maas bei seinem Besuch in Polen davor gewarnt, die wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland abzubrechen. "Es würde uns in Europa in eine schwierige Position bringen, wenn wirtschaftliche Beziehungen nach Russland nicht mehr möglich sind", sagte er.

Wenn man gleichzeitig auch China isoliere, treibe man diese beiden Länder immer weiter zusammen und schaffe den größten Wirtschaftsraum weltweit, sagte Maas nach einem Gespräch mit seinem polnischen Kollegen Zbigniew Rau in Warschau. "Das ist nicht nur falsch, sondern das ist auch gefährlich - auch für unsere Sicherheitsinteressen in Europa. Und deshalb halten wir das nicht für die richtige Strategie."

"Sicherheitsrisiko für Europa"

Rau bekräftigte dagegen, dass die polnische Regierung das milliardenschwere Pipeline-Projekt weiter ablehnt, das mehr russisches Gas durch die Ostsee nach Westeuropa bringen soll. "Wir sind Gegner dieses Projekts und waren es von den Anfängen seiner Entstehung an", sagte er. Das Projekt sei ein Sicherheitsrisiko für Europa und dürfe nicht fertiggestellt werden. Im Fall der Ukraine verursache es sogar ein "Sicherheitsvakuum".

Rau sagte, der Anschluss der Ukraine an ein anderes Pipeline-Netz, das aber ebenfalls von russischer Gaszufuhr abhängig sei, sei keine Lösung. Maas hatte zuvor damit geworben, dass trotz Nord Stream 2 die Ukraine weiter Transitland für russisches Gas sei und Einnahmen erhalten bleiben würden.

Man müsse im Falle einer Fertigstellung zumindest dafür sorgen, dass die Ukraine durch andere, nicht von Russland kontrollierte Pipelines mit Gas versorgt werden könne, sagte Rau. Polen sei dabei, seine Gaslieferungen zu diversifizieren. Polen zählt zusammen mit den baltischen Staaten und der Ukraine zu den schärfsten Gegnern der Pipeline, die fast fertiggestellt ist und Russland und Deutschland verbinden soll.

Maas dankt Polen

Trotz des Streits um die Gaspipeline in der Ostsee demonstrierten Maas und Rau in einer anderen außenpolitischen Fragen Einigkeit. Beide Außenminister verurteilten einstimmig das Verhalten der belarusischen Regierung und deren Abkehr vom EU-Programm der Östlichen Partnerschaft. Polen habe im Kreise der EU-Staaten eine "führende Rolle" bei der Sanktionierung der belarusischen Führung eingenommen, lobte Maas. Dafür sei er dankbar.

"Wir dürfen Belarus nicht aus den Augen verlieren", warnte Rau. Polen sei entschlossen, seine Bemühungen zum Wohle der belarusischen Zivilgesellschaft fortzusetzen "und die politischen Häflinge zu befreien".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Juli 2021 um 17:00 Uhr.