Ein voller Tisch in einem Kopenhagener Lokal

Lockerungen in Dänemark Besuch in der Normalität

Stand: 03.05.2021 17:36 Uhr

Dänemark hat Lokale und Freizeitparks geöffnet - und seit dem Wochenende auch seine Grenzen für geimpfte EU-Bürger. Viele nutzen die Attraktionen - doch die Lockerungen lösen auch Sorge aus.

Von Christian Blenker, ARD-Studio Stockholm

Leere Flure, kaum Menschen in der Lobby: Hotelchefin Karen Nedergaard hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Die Corona-Pandemie hat die Tourismusbranche in Dänemark hart getroffen. Einst hatte ihre Großmutter das kleine Hotel im Herzen Kopenhagens gegründet. Wie viele in der Branche lebten auch sie hier gut vom Tourismus. Doch als die Gäste wegblieben, musste Nedergaard schwierige Entscheidungen treffen: "In den letzten 14 Monaten haben wir uns von fast der Hälfte aller Mitarbeitenden getrennt. Die Krise trifft uns also sehr stark", sagt sie. "Wir spüren deutlich, dass keine Touristen da sind. Es gibt ein paar dänische Gäste, aber das reicht nicht."

Christian Blenker ARD-Studio Stockholm

Mit der stufenweisen Öffnung des Landes kehrt nun die Hoffnung zurück: Im ersten Schritt dürfen seit dem 21. April auch wieder Geschäfte, Bars und Restaurants öffnen. Mit Freundinnen und Freunden essen gehen - in Dänemark geht das wieder. Neu ist eine kurze Kontrolle am Eingang: Mit dem Smartphone müssen Gäste ihren digitalen Corona-Pass vorzeigen. Er gibt an, ob sie entweder geimpft sind, eine Infektion überstanden haben oder einen aktuellen, negativen Coronatest haben.

Mehr Lockerungen, mehr Risiken? 

Der Andrang ist riesig. Selbst unter der Woche sind die Restaurants wieder voll. "Es kommen einige, die nicht vorbereitet sind", erzählt Restaurantchef Robin Leonard Jensen. "Ich habe gerade zwei Gäste hier gehabt, die ich ablehnen musste. Ich habe sie dann ins Testzentrum um die Ecke geschickt und gesagt, dass sie nach einem Test gerne wiederkommen dürfen."

Bislang geben die Zahlen der Regierung gute Argumente für die Lockerungen: Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt stabil unter 100. Virologe Allan Randrup warnt dennoch davor, nun übereilig auch noch die Grenzen zu öffnen. "Wir haben zwar viel geimpft. Aber wir haben noch einen langen Weg vor uns - und die Menschen ändern schon ihr Verhalten", warnt er. "Ich finde es zum Beispiel verwirrend, dass die Gesundheitsbehörde die Abstandsregeln von zwei Meter auf einen verändert hat. Jetzt kommen sich die Menschen wieder näher. Besonders die Öffnung der Bars macht mir Sorgen."

Allan Randrup

Allan Randrup ist skeptisch, ob die Leute mit den Lockerungen nicht auch unvorsichtig werden.

 Freizeitpark freut sich auf Gäste

Am Wochenende wagte Dänemark nun den nächsten Öffnungsschritt: Seit dem 1. Mai dürfen auch wieder Menschen aus Deutschland und anderen EU- und Schengen-Ländern einreisen. Wer eine vollständige Impfung nachweisen kann, muss nicht mehr in Quarantäne und auch keinen Negativtest vorlegen. Voraussetzung für die Einreise ist zudem die epidemiologische Situation im Herkunftsland.

Im Freizeitpark "Tivoli" können sie die Ankunft der internationalen Gäste kaum erwarten. Auch hier sind die Tore seit Ende April wieder geöffnet. Am Eingang kontrolliert Mette Reher deshalb nicht nur die Tickets der Gäste, sondern auch den Corona-Status. Zudem ist die Anzahl der Besucher begrenzt. Karussell und Achterbahn sind wieder in Betrieb. Es fühle sich fast wieder wie vor dem Lockdown an, sagt sie. "Aber wir vermissen unsere Gäste aus dem Ausland. Wir werden sie hoffentlich bald wieder hier empfangen dürfen."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. April 2021 um 21:45 Uhr.