EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen im Januar 2021. | OLIVIER HOSLET/EPA-EFE/Shutterst

Corona-Impfstoff von AstraZeneca Von der Leyen pocht auf Lieferzusagen

Stand: 29.01.2021 10:58 Uhr

Im Streit um die Impfstoff-Lieferungen erhöht EU-Kommissionschefin von der Leyen den Druck auf AstraZeneca. Um jeden Zweifel an den im Vertrag vereinbarten Zusagen auszuräumen, soll der noch heute öffentlich gemacht werden.

Im Streit um drohende Engpässe bei der Lieferung des Corona-Impfstoffs fordert die EU von AstraZeneca, die getroffenen Zusagen einzuhalten. "Es gibt verbindliche Bestellungen und der Vertrag ist glasklar", sagte die Chefin der EU-Kommission Ursula von der Leyen im Deutschlandfunk.

In dem geschlossenen Vertrag seien klar Liefermengen für die ersten drei Quartale dieses Jahres und die entsprechenden Produktionsorte festgeschrieben worden. Von der Leyen kündigte an, dass der Vertrag noch im Laufe des Tages veröffentlicht werden solle.

Verständnis für Startschwierigkeiten

Die Kommissionschefin zeigte Verständnis, dass es angesichts der kurzen Zeit, in der ein Impfstoff entwickelt wurde, Startschwierigkeiten geben könne. "Das ist in Ordnung", sagte von der Leyen, forderte aber gleichzeitig "Transparenz und Planungssicherheit".

Ursprünglich hatte AstraZeneca zugesagt, bis Ende März rund 80 Millionen Impfdosen an die EU zu liefern. Doch dann kündigte der Pharmakonzern Verzögerungen aufgrund von Problemen an Produktionsstandorten an. Zwischenzeitlich hieß es, das Unternehmen könne in diesem Zeitraum nur etwa ein Viertel der zugesagten Impfdosen liefern. In Großbritannien, wo der Impfstoff des Herstellers bereits eine Notzulassung erhalten hat, erfüllt AstraZeneca bislang das vereinbarte Pensum.

Einem EU-Vertreter zufolge hatte das Unternehmen der Union Anfang der Woche acht Millionen zusätzliche Impfdosen angeboten. Statt der überraschend angekündigten 31 Millionen sollten somit bis Ende März 39 Millionen Dosen geliefert werden. Die EU habe dieses Angebot als unzureichend gewertet, weil die Impfstoffmenge damit immer noch deutlich unter der ursprünglich vereinbarten Zahl liege.

Keine nachvollziehbaren Gründe für Engpässe genannt

Die EU will die Engpässe somit weiterhin nicht akzeptieren. AstraZeneca habe für die drastische Reduzierung der Liefermenge keinen nachvollziehbaren Grund angegeben und müsse seine Lieferverpflichtungen erfüllen, betonte von der Leyen und drängte auf eine Lösung. Doch die wurde bisher in mehreren Gesprächen zwischen dem Konzern und der EU nicht gefunden.

Stattdessen hat der Chef des Pharmakonzerns, Pascal Soriot, die Aussage zurückgewiesen, mit der EU seien klare Liefermengen vereinbart worden. Der Vertrag beinhalte lediglich eine sogenannte Best Effort-Klausel, die sein Unternehmen verpflichte, sich bestmöglich zu bemühen, den Impfstoff zu liefern. Zudem führte er an, da der Vertrag mit Großbritannien wesentlich eher geschlossen worden sei, habe AstraZeneca mehr Zeit gehabt, um Pannen zu beheben.

Späterer Vertragsabschluss spiele keine Rolle

Argumente, die von der Leyen nicht gelten lassen will. Der Vertrag mit AstraZeneca sei rechtzeitig vereinbart worden. Dass Großbritannien früher bestellt habe, spiele für die Lieferpflichten des Unternehmens keine Rolle. "Das ist nicht wie beim Bäcker, wo man Schlange steht."

Die Debatte um die möglichen Lieferschwierigkeiten hatte auch Kritik an der EU hervorgerufen - vor allem im Hinblick auf die fehlende Einsicht in die geschlossenen Verträge mit Impfstoff-Lieferanten. Dem will die EU durch die Veröffentlichung des AstraZeneca-Vertrags nun entgegenwirken. Bereits zuvor hatte die EU-Kommission zudem ein Transparenzregister angekündigt. In diesem soll erfasst werden, in welcher Zeit ein Pharmaunternehmen wieviel Corona-Impfstoff hergestellt hat und wohin das Vakzin geliefert wird.

"Keine Abkürzung bei der Sicherheit"

Doch noch ist der Impfstoff von AstraZeneca nicht für die EU zugelassen. Darüber soll noch im Laufe des Tages die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) entscheiden. Von der Leyen verteidigte die deutlich spätere Entscheidung als in Großbritannien. Hier hatte das Vakzin bereits Ende Dezember die Notfallzulassung erhalten. Die EU setze auch in dieser Notlage bewusst auf eine bedingte Marktzulassung statt nur eine Notzulassung, weil es "keine Abkürzung bei der Sicherheit" geben dürfe. "Diese drei, vier Wochen muss man sich dann Zeit nehmen", sagte von der Leyen.

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Institutes hat bereits empfohlen, den Impfstoff von AstraZeneca einzusetzen - allerdings nur bei 18- bis 64-Jährigen. Die Wirksamkeit bei Menschen, die älter sind, sei nicht genügend belegt. Auch Medien hatten berichtet, der Impfstoff zeige bei über 65-Jährigen kaum Wirkung, was aber sowohl von AstraZeneca als auch vom Bundesgesundheitsministerium dementiert wurde.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. Januar 2021 um 06:20 Uhr.