Ampullen des Corona-Impfstoffs von Novavax vor dem Schriftzug des Unternehmens. | REUTERS

EMA-Freigabe für Novavax Ein Lichtblick im Pandemiewinter?

Stand: 20.12.2021 17:49 Uhr

Durch die EMA-Freigabe des Novavax-Präparats kommt ein fünfter Impfstoff in der EU auf den Markt. Eine gute Nachricht in diesem Pandemiewinter - denn das Mittel könnte auch den einen oder anderen Impfskeptiker überzeugen.

Von Stephan Ueberbach, ARD-Studio Brüssel

Die Niederlande sind im Lockdown, Länder wie Italien oder Griechenland machen mit neuen Test- und Quarantänepflichten das Reisen schwer. Und auch in Deutschland sieht es nach weiteren Kontaktbeschränkungen aus. Die Covid-19-Pandemie sorgt wieder einmal für deprimierende Nachrichten.

Stephan Ueberbach ARD-Studio Brüssel

Kurz vor Weihnachten gibt es aber auch einen Lichtblick. Denn den Corona-Impfstoff Nuvaxovid des US-Herstellers Novavax halten viele für einen Hoffnungsträger. Der CDU-Gesundheitsexperte im Europaparlament, Peter Liese, jedenfalls glaubt, dass Novavax zum "Game Changer" werden und den Kampf gegen das Virus weltweit entscheidend voranbringen kann.

"Es ist gut, dass wir jetzt bald mit Novavax einen fünften Impfstoff haben", sagt Liese. "Ich glaube, er ist besonders hilfreich für die Länder der dritten Welt, weil er nicht so anspruchsvoll ist, was Lagerung und Kühlung angeht."

Fünf zugelassene Corona-Impfstoffe in der EU

Der Impfstoff ist wirksam, sicher und hochwertig, heißt es in der Bewertung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA. Er soll außerdem gut verträglich sein. Die häufigsten Nebenwirkungen sind vor allem Müdigkeit, Kopfweh sowie Schmerzen an der Einstichstelle. Die EMA empfiehlt das Vakzin für Menschen ab 18 Jahren. Es muss zwei Mal im Abstand von drei Wochen gespritzt werden.

Novavax ist damit neben BioNTech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson das fünfte Pharmaunternehmen, das für seinen Wirkstoff in der EU eine bedingte Marktzulassung bekommt. Das heißt: Der Hersteller muss auch weiterhin Daten an die EMA liefern, vor allem zu möglichen Langzeitfolgen und Nebenwirkungen.

"Impfstoff für Impfskeptiker"

Das Novavax-Präparat funktioniert anders als die mRNA- und Vektor-Vakzine, die bisher in der EU verwendet werden dürfen. Nuvaxovid wird mit einem traditionelleren Verfahren hergestellt und gilt deshalb auch als "Impfstoff für Impfskeptiker". Soll heißen: Er könnte auch für solche Menschen interessant sein, die sich bisher noch nicht impfen ließen, weil sie den anderen Präparaten nicht vertrauen, obwohl die neuartigen Wirkstoffe inzwischen milliardenfach und weitgehend problemlos verabreicht worden sind - oder weil sie gegen bestimmte Inhaltsstoffe der Impfstoffe von BioNTech & Co. allergisch sind.

Der CDU-Europa-Abgeordnete Liese rät allen, die sich impfen lassen können und wollen, nicht auf Novavax zu warten, sondern auch die bereits verfügbaren Vakzine zu nutzen. "Wir wissen, dass die mRNA-Impfstoffe gegen die Delta-Variante wirken und, wenn auch etwas herabgesetzt, auch gegen Omikron", sagt er. "Insbesondere Boostern schützt sehr viel besser, als wenn man gar nicht geimpft oder nur eine oder zwei Impfungen hat."

EU sichert sich 100 Millionen Novavax-Dosen

Wann der Wirkstoff von Novavax europaweit verfügbar sein wird, steht noch nicht fest. Die EU-Kommission hat 100 Millionen Impfdosen bestellt und eine Kaufoption auf weitere 100 Millionen. Mit der Auslieferung könnte Anfang des nächsten Jahres begonnen werden, heißt es in Brüssel.

In klinischen Studien lag die Wirksamkeit von Novavax gegen die frühen Virusvarianten bei rund 90 Prozent. Wie gut das Vakzin gegen Omikron wirkt, ist noch unklar. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben daran, den Wirkstoff entsprechend anzupassen, so wie das auch BioNTech und die anderen Hersteller bereits tun.

Gesundheitsexperten gehen inzwischen davon aus, dass zumindest die Risikogruppen schon im Frühling die nächste Auffrischungsimpfung brauchen. Von Entwarnung kann also noch keine Rede sein.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Dezember 2021 um 18:00 Uhr.