Ein Schild in Bolton ermahnt die Menschen, sich weiter an die Regeln zu halten | AFP

Corona in Großbritannien Indische Variante gefährdet Lockerungen

Stand: 16.05.2021 00:47 Uhr

Die Inzidenz in England ist niedrig, Mitte Juni sollen alle Corona-Beschränkungen aufgehoben werden. Doch das steht nun wieder infrage. Grund ist die indische Virus-Variante.

Von Christoph Prössl, ARD-Studio London

In Bolton im Nordwesten Englands impfen die Mitarbeiter des Gesundheitssystems NHS gegen die Ausbreitung der indischen Variante des Corona-Virus an. Am Morgen haben sich lange Schlangen vor den Fahrzeugen und Zelten des NHS gebildet, wie die BBC berichtet. Zu Beginn der Woche habe man noch mit drei Personen vor Ort geimpft, mittlerweile seien 42 Personen damit beschäftigt, die Impfungen durchzuführen, sagt Helen Wall, die die Impfkampagne in Bolton leitet.

Christoph Prössl ARD-Studio London

Bolton und Teile Londons stark betroffen

Am Ende des Tages sollten 4000 Menschen geimpft worden sein. Die Armee soll beim Testen unterstützen. Über 50-Jährige sollen die zweite Impfung schneller bekommen.

Bolton ist auffällig stark getroffen von der neuen Variante des Coronavirus. Ähnlich wie andere Regionen im Nordwesten von England und in Schottland sowie einige Londoner Stadtteile. Die Inzidenz in England ist niedrig, im Schnitt bei rund 23. In den betroffenen Regionen stieg dieser Wert in den vergangenen Tagen deutlich an.

Werden Lockerungen verschoben?

Die indische Variante gilt als leichter übertragbar - bis zu 50 Prozent, sagen die Experten des Beratungsgremiums für die britische Regierung. Die Befürchtung ist, dass die Lockerungen, die am Montag in Kraft treten, weitere Infektionen nach sich ziehen. Ab dem 17. Mai dürfen sich bis zu sechs Personen auch in einem Haus treffen, auch Kinos sollen öffnen. Am 21. Juni sollen dann alle Restriktionen fallen.

"Noch wissen wir nicht, wie stark übertragbar die neue Variante ist", sagt Edward Argar, Staatssekretär im Gesundheitsministerium. "Wenn die Übertragbarkeit nur wenig stärker ist, dürfte das an unseren Planungen nicht so viel ändern. Wenn die Übertragbarkeit deutlich höher ist, müssen wir die Planungen für den 21. Juni überdenken."

Opposition: Regierung hat zu spät reagiert

Noch ist auch offen, wie gut die Impfstoffe gegen die neue Variante wirken. Anthony Harnden, Professor an der Universität Oxford, sagte dem Radiosender BBC 4, er gehe davon aus, dass die Impfstoffe leichte Verläufe seltener aufhalten, schwere hingegen schon. Das würde aber auch bedeuten, dass mit einer höheren Übertragbarkeit gerechnet werden muss.

Premierminister Boris Johnson hatte am Freitag auf einer Pressekonferenz angekündigt, schnell zu reagieren, sobald die Datenlage klar sei. Die Regierung werde alles tun, was notwendig sei, um die Menschen in Großbritannien zu schützen.

Die Opposition warf Johnson vor, zu spät reagiert zu haben. Die Regierung hatte Bangladesch und Pakistan bereits am 9. April auf die rote Liste gesetzt. Reisen nach Großbritannien sind seitdem nur in dringenden Fällen gestattet, Reisende müssen sich in Quarantäne begeben und zwar in speziell dafür vorgesehene Hotels. Für Indien, wo die Lage ähnlich war, wurden diese Maßnahmen erst am 23. April ergriffen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. Mai 2021 um 06:45 Uhr.