Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nimmt  eine Corona-Schutzmaske ab. | REUTERS

Frankreich Macron macht Druck beim Impfen

Stand: 10.11.2021 10:08 Uhr

Angesichts steigender Corona-Zahlen will Frankreichs Präsident Macron die Impfkampagne beschleunigen. Unter anderem sollen über 65-Jährige bald nur noch als geimpft gelten, wenn sie eine dritte Dosis erhalten haben.

Von Julia Borutta, ARD-Studio Paris

Zum neunten Mal während der Corona-Krise wandte sich Präsident Emmanuel Macron direkt an die Franzosen zur besten Sendezeit. Um 20 Uhr appellierte er an ihr Gewissen als Bürger: "Lassen Sie sich impfen, um sich zu schützen. Lassen Sie sich impfen, um normal zu leben. Und denken Sie daran: Frei zu sein, bedeutet in einem Land wie Frankreich auch, Verantwortung und Solidarität zu zeigen. Ich zähle also auf Sie."

Senioren: Gesundheitspass nur mit dritter Impfung

Eine drastische Maßnahme verkündete der Präsident für alle Senioren. Ihr Gesundheitspass soll nur dann seine Gültigkeit behalten, wenn die Betroffenen eine dritte Impfung nachweisen können. Rund fünf Wochen haben sie dafür Zeit. Ab dem 15. Dezember gilt für alle, die 65 oder älter sind: Wer keine Booster-Impfung hat, muss im Restaurant, im Kino oder Theater wieder maximal 48 Stunden alte negative Tests oder eine Genesung vorweisen.

Impfkampagne für über 50-Jährige

Doch dabei bleibt es nicht. Mehr als 80 Prozent derjenigen, die im Moment auf der Intensivstation lägen, seien über 50 Jahre alt. "Deswegen werden wir auch ab Anfang Dezember eine Impfkampagne für alle 50- bis 64-Jährigen starten", so Macron. Ob nach einer gewissen Phase auch für sie die dritte Impfung zur Bedingung für den Gesundheitspass wird, ist noch offen.

Frankreichs Impfquote liegt zwar knapp zehn Prozent höher als in Deutschland, doch der Inzidenzwert ist binnen einer Woche um 40 Prozent gestiegen. Er liegt jetzt bei 73. Diesen Trend will die Regierung aufhalten und hofft, dass die Rede des Präsidenten zu einem Booster für die Impfbereitschaft wird.

Macron ist auch angesichts der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen wichtig zu beweisen, dass er die Lage im Griff hat. Er will den Franzosen das Gefühl geben, dass Licht am Ende des Tunnels ist. Zwar hat er seine Kandidatur noch nicht offiziell bekannt gegeben, doch alles deutet daraufhin, dass Macron es noch einmal wissen will.

Neue Atomreaktoren sollen gebaut werden

So nutzte er die Ansprache auch, um noch einmal seine Investitionspolitik und die laufende Reform der Arbeitslosenversicherung zu loben. Dass er die hoch umstrittene Reform des französischen Rentensystems noch vor den Wahlen angehen wird, ist mit der Rede am Abend unwahrscheinlicher geworden. Die Bedingungen für eine solch tiefgreifende Reform seien augenblicklich nicht gegeben.

Dagegen bekräftigte Macron noch einmal seine Absicht, neue Atomreaktoren bauen zu wollen - "um die Unabhängigkeit Frankreichs zu garantieren, um die Stromversorgung zu garantieren und um unsere Ziele zu erreichen, nämlich die CO2-Neutralität in 2050." Mit der Entscheidung für den Neubau von Nuklearanlagen ist klar, dass Frankreich sich langfristig in einen Konflikt um die europäische Energiepolitik begeben wird. Und ein mächtiger Widersacher ist dann Deutschland.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. August 2021 um 07:23 Uhr.