Blick auf das Atomkraftwerk Tihange in der Dämmerung | EPA

Hohe Energiepreise Belgien beschließt Entlastung

Stand: 02.02.2022 02:50 Uhr

Die Strompreise in Belgien sind EU-weit mit am höchsten. Mit einem Maßnahmenpaket will die Regierung die steigenden Kosten nun abfedern: Haushalte sollen eine Einmalzahlung bekommen, Sozialtarife verlängert werden.

Von Stephan Ueberbach, ARD-Studio Brüssel

Auch in Belgien sind die Energiepreise in den vergangenen Monaten wie fast überall deutlich gestiegen. Die Kosten für die Verbraucherinnen und Verbraucher haben sich zum Teil verdoppelt oder gar verdreifacht. "Jeder spürt, dass das Leben immer teurer wird. Vor allem die Energiepreise sind deutlich gestiegen. Für viele Familien ist es inzwischen eine schwierige Situation geworden", sagt Regierungschef Alexander de Croo.

Stephan Ueberbach ARD-Studio Brüssel

Entlastungspaket für Haushalte

Nach langen Verhandlungen hat sich die Vier-Parteien-Koalition in Brüssel jetzt auf ein Entlastungspaket für die Bürgerinnen und Bürger verständigt. Um die hohen Preise abzufedern, bekommt jeder Haushalt als sogenannte Heizprämie eine Einmalzahlung in Höhe von 100 Euro. Die Mehrwertsteuer auf Elektrizität wird ab dem 1. März für vier Monate von 21 auf sechs Prozent gesenkt. Für eine Familie bedeutet das im Schnitt eine zusätzlich Entlastung um 65 Euro.

Die im vergangenen Jahr eingeführten Sozialtarife für Kleinverdiener bleiben bis Ende Juni in Kraft - und damit drei Monate länger als ursprünglich vorgesehen. Von den vergünstigten Strom-, Gas- und Erdölpreisen profitieren landesweit rund eine Million Haushalte.

Kosten in Höhe von einer Milliarde Euro

Insgesamt lässt sich die belgische Regierung die Unterstützung der Verbraucherinnen und Verbraucher eine Milliarde Euro kosten. Allerdings spülen die gestiegenen Energiepreise dem Staat im Gegenzug bis zu 600 Millionen Euro an zusätzlichen Steuereinnahmen in die Kasse.

Ministerpräsident de Croo bezeichnet die Maßnahmen als "zielgerichtet" und "nachhaltig". Die Botschaft der Regierung sei: "Niemand wird zurückgelassen."

Strompreise in Belgien und Deutschland am höchsten

Außerdem ist eine Reform der Verbrauchssteuern geplant. Die Abgaben sollen sinken, wenn die Energiepreise einen bestimmten Grenzwert übersteigen. Bei fallenden Preisen wiederum wird der Steuersatz angehoben. Damit würden einerseits die Verbraucherinnen und Verbraucher vor zu hohen Kosten geschützt. Andererseits könne der Staat seine Einnahmeverluste begrenzen.

Bei den Strompreisen liegt Belgien nach Angaben des Vergleichsportals Verivox zusammen mit Deutschland und Dänemark EU-weit an der Spitze.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 01. Februar 2022 um 13:09 Uhr.