Die belarusischen Reporterinnen Katsiaryna Andreyeva and Darya Chultsova | REUTERS

Pressefreiheit in Belarus Zwei Jahre Haft für Minsker Reporterinnen

Stand: 18.02.2021 10:05 Uhr

Zwei Reporterinnen des Senders Belsat sind in Minsk zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Der Vorwurf: Sie hätten Proteste organisiert. Die beiden hatten von einer Demonstration per Livestream berichtet.

Ein Minsker Gericht hat die Fernsehreporterinnen Katerina Andrejewa und Darja Tschulzowa, die im November per Livestream von einer oppositionellen Demonstration berichtet hatten, zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Sie seien wegen der Anführung von "Gruppen-Aktionen, die in grobem Maße gegen die öffentliche Ordnung verstoßen" schuldig gesprochen worden, teilte ihr Arbeitgeber, der Fernsehsender Belsat, mit.

Festnahme am 15. November 2020

Belsat TV wurde 2007 als belarusischsprachiger Fernsehsender in Polen gegründet. Er ist Teil des polnischen staatlichen Rundfunks und wird zum Großteil vom polnischen Außenministerium bezahlt. Für Belarusen ist er eine wichtige Informationsquelle abseits der staatlichen Fernsehkanäle in Belarus, die nicht nach journalistischen Standards berichten. Journalistinnen und Journalisten von Belsat TV stehen seit Jahren unter Druck, weil ihr Sender in Belarus nicht zugelassen ist. Akkreditierungen erhalten sie nicht.

Andrejewa und Tschulzowa waren am 15. November 2020 festgenommen worden, als sie von einem Minsker Appartement aus Proteste auf dem "Platz des Wandels" filmten. Die Staatsanwaltschaft hatte zum Prozessauftakt erklärt, durch ihre Reportagen hätten die Journalistinnen Verspätungen im öffentlichen Nahverkehr und materielle Schäden verursacht.

Massives Vorgehen gegen unabhängige Journalisten

Nach dem Ende der Präsidentschaftswahlen am 9. August, bei der es zu massiven Wahlfälschungen kam, brachen in Belarus landesweit heftige Proteste aus, die noch immer anhalten. Sicherheitskräfte gehen mit massiver Gewalt gegen die zeitweise Hunderttausenden Demonstrierenden in vielen belarusischen Städten vor, viele zeitweise inhaftierte Teilnehmer berichten von Folter und brutaler Einschüchterung.

Unabhängige Nachrichtenmedien, die von den Protesten berichten, sind immer wieder Drangsalierungen wie dem willkürlichen Entzug der Akkreditierungen, Festnahmen und Durchsuchungen ausgesetzt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. Februar 2021 um 10:07 Uhr.