Sofia Sapega | via REUTERS

Opposition in Belarus Regierungskritikerin bittet offenbar um Gnade

Stand: 27.06.2022 12:42 Uhr

Die prominente Regierungskritikerin Sapega hat ein Gnadengesuch an Belarus' Machthaber Lukaschenko geschickt. Es gibt Zweifel an der Authentizität - wie schon bei Videos des mit ihr verhafteten Oppositionellen Protassewitsch.

Nach einem Jahr im Gefängnis hat die prominente Regierungskritikerin Sofia Sapega Belarus' Machthaber Alexander Lukaschenko offenbar um Begnadigung gebeten. Die 24-Jährige war im Mai vergangenen Jahres bei der erzwungenen Landung einer Passagiermaschine in Minsk festgenommen worden - zusammen mit ihrem damaligen Lebensgefährten Roman Protassewitsch.

In dem Gnadengesuch schreibt Sapega einem Bericht des russischsprachigen Dienstes der BBC zufolge, ihre oppositionelle Tätigkeit sei "Jugend und Dummheit" geschuldet gewesen. Inzwischen habe sie "Rechtswidrigkeit und Illegitimität vollständig eingesehen". Unklar blieb, unter welchen Bedingungen das Schreiben in der Haft zustande kam.

Geständnis unter Tränen

Zweifel an der Entstehungsgeschichte gab es auch bei einem Interview mit Protassewitsch, das vergangenen Sommer im belarussischen Staatsfernsehen ausgestrahlt worden ist. Die Eltern des inhaftierten Regimekritikers äußerten sich überzeugt, dass das Video unter Zwang aufgenommen worden ist. In dem 90-minütigen Video bekennt sich Protassewitsch unter Tränen dazu, unerlaubt Massenproteste gegen Lukaschenko organisiert zu haben. Auch Sapega hatte die Vorwürfe gegen sie gestanden.

Die gebürtige Russin war im Mai von der Justiz des autoritär regierten Landes zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil sie - wie Protassewitsch - im Messengerdienst Telegram einen oppositionellen Kanal betrieben hatte. 2021 waren beide auf einem Flug von Athen nach Vilnius unterwegs, die über belarusischem Gebiet wegen einer angeblichen Bombendrohung zur Landung genötigt wurde. Der Fall rief international Bestürzung hervor, die EU verhängte eine Luftraumsperre gegen Belarus.

Lukaschenko hatte sich im Sommer 2020 zum sechsten Mal zum Präsidenten wählen lassen, was wegen mutmaßlicher Manipulationen international nicht anerkannt wird. Landesweite Proteste wurden niedergeschlagen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. März 2022 um 17:19 Uhr.