Polnische Soldaten und Polizisten stehen an der polnisch-belarusischen Grenze. | via REUTERS

Belarusisch-polnischer Konflikt Migranten durchbrechen offenbar Grenze

Stand: 14.11.2021 11:08 Uhr

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt harren Tausende Menschen seit Tagen an der belarusischen Grenze aus. Polnischen Angaben zufolge gelang es nun einer Gruppe von Migranten, die Grenze zu durchbrechen.

Eine Gruppe von etwa 50 Migranten hat nach Angaben der polnischen Polizei die Barriere an der Grenze zu Belarus durchbrochen und ist nach Polen gelangt. Der Vorfall habe sich gestern Abend in der Nähe des Dorfs Dubicze Cerkiewne ereignet, sagte ein Polizeisprecher. Die Beamten hätten 22 Iraker festgenommen.

Eine weitere größere Gruppe soll versucht haben, auch unweit des Dorfs Kolonia Klukowicze über die Grenze zu gelangen - jedoch vergeblich. Die Flüchtlinge bewarfen die Beamten demnach mit Steinen, ein Beamter wurde leicht verletzt. Insgesamt habe es am Samstag 223 Versuche gegeben, die Grenze illegal zu überqueren, gab der polnische Grenzschutz bekannt.

Die Polizei nahm zudem in der Grenzregion vier mutmaßliche Schleuser fest, die mit Flüchtlingen unterwegs waren. Dabei handelt es sich den Angaben zufolge um zwei Georgier, einen Polen und einen Syrer.

Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen, da Polen in der Grenzregion den Ausnahmezustand verhängt hat. Journalisten und Helfer dürfen nicht hinein. Das gilt auch für das Grenzgebiet auf belarusischer Seite.

Tausende mit einem Ziel: EU

Tausende Migranten aus Krisengebieten in Nahost und Afrika sind nach Belarus gereist, um von dort in die EU zu gelangen. Sie sitzen nun an der Grenze zu Polen und Litauen fest bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Mindestens neun Menschen kamen zu Tode.

Die EU wirft der von Russland unterstützten belarusischen Regierung vor, die Krise bewusst zu steuern, um Druck auf die Staatengemeinschaft auszuüben, die Sanktionen gegen das Land verhängt hat und weitere plant. Der belarusische Präsident Alexander Lukaschenko weist die Anschuldigungen zurück. Mehrere Staaten in der Region warnen davor, dass der Streit in einen militärischen Konflikt ausarten könnte.

Bas: Schnelle Hilfe notwendig

Die neue Bundestagspräsidentin Bärbel Bas forderte schnelle Hilfe für die betroffenen Migranten. "Die Menschen werden mit einem falschen Versprechen an die Grenze zur EU gebracht. Sie werden missbraucht", sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Sie mahnte: "Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen und ihre Schicksale als Druckmittel benutzt werden." Europa müsse sich schnell einigen, wie diesen Menschen geholfen werden könne.

Baerbock: Hilfsorganisationen umgehend zulassen

Aus Sicht der Grünen-Chefin Annalena Baerbock ist humanitäre Soforthilfe jetzt am dringlichsten. "Daher müssen Hilfsorganisationen umgehend in das gesperrte Grenzgebiet gelassen werden. Ich appelliere an die polnische Regierung, dies zu ermöglichen und die Unterstützungsangebote der EU anzunehmen - auch in Bezug auf den gemeinsamen Grenzschutz", sagte sie der "Bild am Sonntag".

Kretschmer gegen Aufnahme von Migranten

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sprach sich dagegen aus, den Menschen Obdach in Deutschland zu gewähren. "Wir dürfen diese Migranten weder in der EU noch in Deutschland aufnehmen", sagte er der "Bild am Sonntag". "Wir haben klare Regeln bei der Zuwanderung. Kommen können anerkannte Flüchtlinge oder Fachkräfte. Beides ist bei den Migranten, die von Lukaschenko angelockt worden sind, nicht der Fall. Wir müssen dem Diktator in Minsk zeigen, dass er mit dieser Maßnahme keinen Erfolg haben wird. Dann wird er mit den Schleusungen aufhören", so Kretschmer weiter.

Bilder notleidender Menschen an der Grenze müsse die Gesellschaft aushalten und Polen bei der Sicherung seiner EU-Außengrenze helfen. "Warschau handelt richtig, daher dürfen wir Polen nicht in den Rücken fallen", betonte der CDU-Politiker.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 und Deutschlandfunk am 14. November 2021 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.