Pere Aragones | AFP

Gemäßigter Separatist gewählt Aragonès neuer Regierungschef in Katalonien

Stand: 21.05.2021 22:10 Uhr

Der Separatist Aragonès ist neuer Regierungschef der spanischen Region Katalonien. Für ihn stimmten Abgeordnete von drei separatistischen Parteien, die aber unterschiedliche Vorstellungen über den möglichen Weg in eine Unabhängigkeit haben.

Nach langen Verhandlungen haben die separatistischen Parteien in Katalonien Pere Aragonès von der linksgerichteten ERC zum neuen Chef der Regionalregierung gewählt. Nach zwei vergeblichen Anläufen erhielt der 38-jährige Anwalt im Regionalparlament von Barcelona 74 von insgesamt 135 Stimmen. Neben den Vertretern der ERC stimmten auch die Abgeordneten zweier weiterer separatistischer Parteien für Aragonès: der liberal-konservativen JuntsxCat und der linksradikalen CUP.

Aragonès: Dialog mit Madrid

Vor seiner Wahl bekräftigte Aragonès das Ziel, sich für ein neues Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien einzusetzen, und forderte eine Amnestie für Unabhängigkeits-Befürworter, die nach einem illegalen Referendum im Jahr 2017 zu Haftstrafen verurteilt worden oder ins Ausland geflohen waren. Unter ihnen war auch der damalige Regionalpräsident Carles Puigdemont.

Mit Aragonès steht nun ein gemäßigter Unabhängigkeits-Befürworter an der Spitze Kataloniens. "Wir müssen diesen Konflikt durch Dialog und Verhandlung lösen", so Aragonès. Spaniens linksgerichtete Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez lehnt beide Forderungen ab. 

Parteien sind sich uneins

Bei der vorgezogenen Wahl des katalanischen Parlaments hatten die Parteien, die für eine Abspaltung von Spanien eintreten, Mitte Februar erstmals die absolute Mehrheit der Sitze erobert. Über den Weg in die Unabhängigkeit sind sich die Parteien aber uneins.

Im Gegensatz zur JuntsxCat des ehemaligen Regionalpräsidenten Puigdemont, die einen Dialog mit der Zentralregierung zuletzt ablehnte, steht die linksgerichtete ERC-Partei von Aragonès für Verhandlungen mit Madrid.

Region nach wie vor gespalten

Mit dem illegalen Unabhängigkeitsreferendum und der kurzzeitigen Ausrufung der Unabhängigkeit hatte die katalanische Regionalregierung im Jahr 2017 Spanien in die schlimmste politische Krise seit Jahrzehnten gestürzt. Madrid griff damals hart durch, ließ die Verantwortlichen inhaftieren, setzte die Regionalregierung ab und den weitreichenden Autonomiestatus für das reiche Katalonien aus. Bis heute ist die Region in der Frage einer Abspaltung von Spanien tief gespalten.