Fläschchen mit dem Impfstoff von AstraZeneca | REUTERS

AstraZeneca verteidigt Impfstoff "Keine Hinweise auf erhöhtes Risiko"

Stand: 15.03.2021 12:33 Uhr

AstraZeneca weist jeglichen Zusammenhang von Blutgerinnseln mit Impfungen zurück. Experten warnen vor vorschnellen Rückschlüssen, während mehrere Länder den Einsatz des Impfstoffs pausieren.

Der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca hat seinen Covid-19-Impfstoff nach Berichten über Nebenwirkungen verteidigt. Man sehe kein erhöhtes Risiko von Blutgerinnseln im Zusammenhang mit dem Vakzin. Eine sorgfältige Analyse aller verfügbaren Sicherheitsdaten von mehr als 17 Millionen Menschen, die in der Europäischen Union und in Großbritannien mit dem Mittel geimpft worden seien, habe keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko einer Lungenembolie, einer tiefen Venenthrombose oder auf einen Rückgang der Blutplättchen ergeben, teilte AstraZeneca mit.

Nach Berichten über Komplikationen durch Blutgerinnsel nach der Impfung hatten die Niederlande, Irland, Dänemark, Norwegen und Island den Einsatz des Impfstoffs vorübergehend ausgesetzt. Italien und Österreich stoppten die Verwendung von bestimmten Chargen. Die Niederlande sprachen von einer "Vorsichtsmaßnahme". "Wir können keine Zweifel an dem Impfstoff zulassen", sagte Gesundheitsminister Hugo de Jonge. Es habe keine Vorfälle in den Niederlanden gegeben.

Deutschland setzt Impfstoff weiter ein

Ein Sprecher des deutschen Gesundheitsministeriums erklärte, Deutschland werde den AstraZeneca-Impfstoff weiter einsetzen. Man nehme die Meldungen ernst und prüfe beständig die Datenlage. Derzeit bleibe es aber bei der Linie der Bundesregierung, den Impfstoff weiter zu verwenden. Im Laufe der Woche fänden beim Paul-Ehrlich-Institut und der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA verschiedene Expertenrunden statt.

Auch Großbritannien nutzt weiter das Präparat, das AstraZeneca gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelt hat. "Wir prüfen die Berichte genau, aber angesichts der großen Anzahl verabreichter Dosen und der Häufigkeit, mit der Blutgerinnsel auf natürliche Weise auftreten können, deuten die verfügbaren Beweise nicht darauf hin, dass der Impfstoff die Ursache ist", sagte Phil Bryan von der britischen Aufsichtsbehörde für Arzneimittel (MHRA).

Experten warnen vor übereilten Schritten

Nach dem zwischenzeitlichen Stopp der Impfungen in Teilen Italiens warnten dortige Experten vor übereilten Rückschlüssen. Die Impfstoffe seien sicher, sagte der Präsident der italienischen Arzneimittel-Agentur AIFA, Giorgio Palù, in der Zeitung "La Repubblica". Mit mehr Impfungen würden auch mehr unerwünschte Nebenwirkungen registriert. In der vergangenen Woche hatte die AIFA auf Sizilien die Verabreichung einer Charge gestoppt, nachdem ein Marinesoldat rund einen Tag nach der Impfung gestorben war. Am Wochenende hatte außerdem die nordwestliche Region Piemont für wenige Stunden die Impfungen mit dem Vakzin eingestellt.

Auch die EMA hatte in der vergangenen Woche erklärt, es geben keine Hinweise darauf, dass die Fälle von Blutgerinnseln durch die Impfung mit AstraZeneca verursacht worden sein könnten - eine Einschätzung, der sich auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Paul-Ehrlich-Institut anschlossen.

Kausalität oder Koinzidenz?

AstraZeneca erklärte, bislang seien 15 Fälle einer tiefen Venenthrombose und 22 Fälle einer Lungenembolie gemeldet worden, was vergleichbar mit anderen zugelassenen Covid-19-Impfstoffen sei.

"Insgesamt kann man mit derzeitigem Kenntnisstand davon ausgehen, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Impfung und den wenigen thromboembolischen Ereignissen gibt - statt von einer Kausalität ist eher von einer Koinzidenz auszugehen, also mehr Zufall als Ursache", sagte Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin an der München Klinik Schwabing. Es sei nun aber "bedauerlicherweise eine weitere vermeintlich negative Nachricht in der Welt, die dem Image des Impfstoffes und der Impfkampagne insgesamt schadet."

Söder kritisiert USA wegen AstraZeneca

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kritisierte derweil die US-Regierung, weil sie derzeit nicht benötigten AstraZeneca-Impfstoff nicht an Europa liefern wolle. Zudem forderte der CSU-Chef ein Exportverbot für in der EU produzierten Impfstoff. "Es kann nicht sein, dass aus Europa heraus ständig Impfstoff abfließt. Und es kann nicht sein, dass die USA Impfstoff horten und Europa darauf wartet", sagt er. Dies müsse man mit der US-Regierung ansprechen, auch dieses Thema gehöre zu einem guten transatlantischen Verhältnis.

Angesichts der Bedenken gegenüber dem AstraZeneca-Impfstoff forderte Söder, dass sich künftig auch Politiker damit impfen lassen, um als Vorbild aufzutreten und Zweifel zu zerstreuen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. März 2021 um 12:00 Uhr.