Bericht Amnesty International

Amnesty International 60 Jahre Kampf für Menschenrechte

Stand: 28.05.2021 08:29 Uhr

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International feiert 60-jähriges Bestehen. Heutzutage arbeiten rund 2000 Mitarbeiter für die NGO, Millionen Menschen unterstützen sie. Dabei hat alles mal ganz klein angefangen.

Von Imke Köhler, ARD-Studio London

Amnesty International setzt sich für Menschen ein, die unrechtmäßig weggeschlossen werden. So hat die Arbeit der Organisation zumindest ihren Anfang genommen. Es begann mit einem Artikel, den der britische Rechtsanwalt Peter Benenson offenbar 1960 gelesen hat, zu einem Zeitpunkt, als Portugal noch eine Diktatur war.

Imke Köhler ARD-Studio London

"Eines Tages hat er etwas über portugiesische Studenten gelesen, die dafür inhaftiert worden waren, dass sie auf die Freiheit angestoßen hatten", sagt Emily Nevins, die Kampagnen-Verantwortliche bei Amnesty International. "Dieses Unrecht hat Benenson tief getroffen, zumal klar war, dass das nicht nur in einem Land passierte, sondern an vielen Orten der Welt. Und dann hat er die Leute dazu aufgerufen, Briefe zu schreiben und die Regierungen unter Druck zu setzen, diese Gefangenen wieder freizulassen. Und aus dieser einfachen Idee ist Amnesty entstanden und immer weiter gewachsen."

Arbeit mit Menschenrechtsaktivisten vor Ort

Emily Nevins ist eine von rund 2000 Mitarbeitern, die die Organisation beschäftigt. Eigenen Angaben zufolge hat Amnesty heute etwa zehn Millionen Unterstützer weltweit und Vertretungen in rund 70 Ländern. Im Laufe der Zeit habe sich Amnesty mit zehntausenden Menschenrechtsverletzungen befasst, sagt Nevins.

"Unsere Rechercheure haben viele Kontakte in den Ländern", so Nevins. "Sie arbeiten zum Teil mit Menschenrechtsaktivisten vor Ort zusammen, mit Zivilorganisationen. Sie sind Ansprechpartner für Rechtsanwälte, die entsprechende Fälle vertreten, oder für Familienangehörige - und dadurch ergibt sich ein Bild für die Amnesty-Mitarbeiter, wie die Lage im Land ist und wie es um bestimmte Fälle steht. Und von da aus können sie ihre Nachforschungen dann weiter treiben."

43 Jahre zu Unrecht in Isolationshaft

Gefragt nach einem Fall, der sie besonders bewegt hat, nennt Nevins den von Albert Woodfox, einem Afroamerikaner, der fast 43 Jahre zu Unrecht in den USA in Einzelhaft gesessen hat. Woodfox erzählt, wie er immer wieder schweißgebadet aufgewacht ist, mit dem Gefühl, erdrückt zu werden. Amnesty International hat sich für seine Entlassung stark gemacht. 650.000 Menschen weltweit unterstützten die Kampagne und im Februar 2016 kam Woodfox dann frei. Nevins hat ihn danach getroffen und ist immer noch beeindruckt, dass er 43 Jahre in Isolation überlebt hat.

Amnestys Aufgabenbereich ist über die Jahrzehnte gewachsen. Die Organisation kämpft nicht nur gegen Willkür, Vertreibung, Folter und Todesstrafe, sondern setzt sich auch konkret für die Rechte von Frauen und von Flüchtlingen ein.

Haftstrafen für Amnesty-Vertreter

Amnesty kämpft ebenfalls für das Recht auf Nahrung, Wasser, eine sanitäre Grundversorgung und Bildung - sowie für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. 1977 wurde die Organisation mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Zu den größten Erfolgen, zu denen Amnesty nach eigenem Verständnis maßgeblich beigetragen hat, zählen das absolute Folterverbot, die Einrichtung eines Hochkommissariats für Menschenrechte bei den Vereinten Nationen, die Schaffung eines Internationalen Strafgerichtshofs und das Verbot von Rüstungsexporten, die zu Menschenrechtsverletzungen beitragen können.

Nevins nennt keine Zahlen, wie häufig es Drohungen und Übergriffe auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt. Aber dass der Einsatz für Menschenrechte einen Preis haben kann, hat der Fall der beiden Amnesty-Vertreter Taner Kilic und Idil Eser gezeigt: Beide wurden vergangenes Jahr in der Türkei zu Haftstrafen verurteilt.

In Indien hat die Regierung die Amnesty-Sektion vor Kurzem gezwungen, ihre Menschenrechtsarbeit einzustellen. Die Organisation zieht daraus den Schluss, dass die Menschenrechte noch energischer verteidigt werden müssen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Mai 2021 um 05:56 Uhr.