Flucht über den Grenzzaun von Melilla

EU-Innenminister für Flüchtlingszentren Festungswall oder Lebensrettung?

Stand: 05.12.2014 16:21 Uhr

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat EU-Pläne für Flüchtlingszentren in Drittländern verteidigt. Auch wenn es viele Gegenargumente gebe, könnten mit ihnen lebensgefährliche Reisen verhindert werden, sagte er. "Wir wollen nicht, dass die Menschen unterwegs sterben, weder in der Wüste noch im Mittelmeer."

Die EU-Staaten diskutieren derzeit über solche Anlaufstellen für Flüchtlinge auf dem afrikanischen Kontinent. Bereits dort soll die Entscheidung fallen, wer legal nach Europa kommen darf und wer in seine Heimat zurückkehren muss.

Thomas de Maizière

Flüchtlingszentren auf dem afrikanischen Kontinent könnten helfen, Schleppern das Handwerk zu legen, hofft Innenminister Thomas de Maizière.

De Maizière argumentierte, so könne zudem Schlepperbanden das Handwerk gelegt werden, die allein um das Mittelmeer in einem Jahr vier bis fünf Milliarden Euro mit den Flüchtlingen verdient hätten. "Der jetzige Zustand ist, dass die Starken sich durchsetzen", sagte der Innenminister, der in Brüssel an einem Treffen seiner EU-Amtskollegen teilnahm. "Dass Frauen und Mädchen in Bordellen in Europa landen, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken und das noch mit wahnsinnigen Gewinnen von diesen Menschenhändlern."

Pro Asyl: Überlegungen sind "unrealistisch"

Kritiker wie die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl meinen, Auffanglager hielten die Flüchtlinge nicht vom gefahrvollen Weg über das Mittelmeer ab. Die Überlegungen seien "unrealistisch" und würden zu einem weiteren "Festungswall um Europa" führen, kritisierte die Organisation

Zudem gebe es in den Ländern Nordafrikas keine rechtsstaatlichen Garantien für die Prüfung von Asylanträgen. Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt forderte die EU-Innenminister auf, statt dessen legale Möglichkeiten zur Einreise nach Europa zu schaffen. "Das Problem der illegalen Einreise könnte man lösen, indem man Visa verteilt oder sich am Aufnahmeprogramm des UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR beteiligt."

Angesichts tausender Toter im Mittelmeer hatten die EU-Innenminister im Oktober eine Strategie zum Umgang mit der wachsenden Zahl von Flüchtlingen beschlossen.

Bootsflüchtlinge, die von der italienischen Marine im Zuge des "Mare-Nostrum"-Einsatzes gerettet wurden (Archivbild von April 2014).

Bootsflüchtlinge, die von der italienischen Marine im Zuge des "Mare-Nostrum"-Einsatzes gerettet wurden (Archivbild von April 2014).

17 Menschen auf dem Mittelmeer gestorben

Nach Angaben der italienischen Marine kamen erneut 17 Menschen auf einem Schlauchboot vor der italienischen Küste ums Leben. Rettungsmannschaften entdeckten die Leichen auf einem Flüchtlingsboot 65 Kilometer von der libyschen Hauptstadt Tripoli entfernt. Sie seien an Unterkühlung und Austrocknung gestorben, teilte der italienische Außenminister Paolo Gentiloni mit. Ein weiterer Flüchtling sei im kritischen Zustand mit einer Unterkühlung in ein Krankenhaus nach Sizilien geflogen worden. 74 Überlebende seien an Bord eines Marineschiffs gebracht worden.

Bilderstrecke

Verzweifelte Flucht über den Grenzzaun von Melilla (Bilder vom 28. Mai 2014)

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Dezember 2014 um 09:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Nachdenkerin2014 05.12.2014 • 23:01 Uhr

1 Mann 1 Frau...

...und alle Kinder. So sollte man die Einwanderung gestalten. Das Hauptproblem ist doch, dass aktuell >80% der (überlebenden) Flüchtlinge alleinstehende, junge Männer sind. Die wollen nicht nur Arbeit und Geld hier -- die wollen auch Frauen - so sind Menschen nun mal. Die eruopäische Flüchtlingspolitik sollte die Biologie einfach mal berücksichtigen; abgesehen davon, dass es nicht human ist, sich hier andauernd nur mit den starken Überlebenden zu beschäftigen, die dann verrückter Weise in Berlin und München auch noch auf die Bäume klettern! Was für Bilder im TV... Jeder dieser vermeintlich "Starken Männer" müsste zumindest eine Frau "mitretten" - statt sie vom Boot zu schieben - und sie sollen hier arbeiten müssen; vom ersten Tag an!