Vier Herren sitzen mit einem Bier in einem Pub im Osten Londons. | AFP

Corona-Lockerungen England öffnet Geschäfte und Biergärten

Stand: 12.04.2021 14:53 Uhr

In England ist ab heute nach monatelangem Lockdown wieder viel mehr möglich: Geschäfte dürfen öffnen, ebenso Sportstudios und die Außenbereiche der Gastronomie. Viele Briten nutzten die wiedergewonnenen Freiheiten.

Auf ein Pint in den Pub oder zum Haareschneiden in den Friseursalon - darauf mussten die Menschen in England mehr als drei Monate warten. Doch heute ist in dem Teil des Vereinigten Königreichs die zweite von insgesamt vier geplanten Lockerungsphasen in Kraft getreten.

Geschäfte dürfen damit wieder für Kunden öffnen, Restaurants und Kneipen ihre Gäste zumindest wieder im Außenbereich empfangen. Auch Fitnessstudios, Schwimmbäder, Büchereien und Tierparks dürfen wieder öffnen. Die Kulturszene braucht aber noch einen etwas längeren Atem: Kinos, Theater oder Clubs müssen weiterhin geschlossen bleiben.

In London stehen Menschen mit Corona-Schutzmasken vor einem geschäft Schlange. | REUTERS

Nicht nur die Geschäfte erlebten heute teilweise einen regelrechten Ansturm ... Bild: REUTERS

Menschen fahren im Thorpe Park in London mit einer Achterbahn. Sie tragen Corona-Schutzmasken. | REUTERS

... auch die Achterbahnen in den Freizeitparks waren am ersten Tag der Öffnungen gut gefüllt. Bild: REUTERS

Das erste Bier um Mitternacht

Wer das erste Mal seit langem wieder gemeinsam Essen gehen oder anstoßen wollte, durfte allerdings nicht allzu kälteempfindlich sein. In Teilen Englands gab es in den Nacht- und Morgenstunden noch Schnee. Doch zumindest kletterten die Temperaturen, die am Wochenende noch knapp über null Grad Celsius gelegen hatten, im Laufe des Tages etwas in die Höhe.

In der Stadt Huddersfield in der englischen Grafschaft West Yorkshire startete der Teil-Ausstieg aus dem Lockdown sogar schon zu nächtlicher Stunde: Hier wurde in einigen Pubs um Punkt Mitternacht nach monatelangem Warten das erste Bier für die Gäste gezapft.

Johnson verzichtet auf Pub-Besuch

Auch andere Wirte und Gastronomen berichteten in britischen Medien von einem gelungenen Start nach der Corona-Zwangspause und zahlreichen Reservierungen. Vor Geschäften bildeten sich teils lange Schlangen und in den Friseursalons arbeiteten die Beschäftigten auf Hochtouren.

Eigentlich hatte auch der britische Premierminister Boris Johnson bei einem Pub-Besuch auf die Öffnungen anstoßen wollen. Doch nach dem Tod von Prinz Philip am Freitag sagte Johnson diese Pläne ab. Der Regierungschef appellierte an die Bevölkerung, "sich verantwortungsvoll zu benehmen".

Bis Ende Juni komplett raus aus dem Lockdown

Vor rund sieben Monaten hatte Johnson seinen Vier-Stufen-Plan für den Weg heraus aus dem Lockdown vorgestellt. Als ersten Schritt hatten Anfang März die Schulen wieder den Regelbetrieb unter Auflagen aufnehmen können. Bis Ende Juni soll der Lockdown vollständig beendet werden, sollten es die Infektionszahlen in England zulassen.

Auch die Regierungen von Schottland, Wales und Nordirland setzen auf weniger strenge Corona-Maßnahmen, allerdings agieren sie zurückhaltender als Johnson. In Nordirland können etwa erst seit heute alle Schüler aus dem Distanzunterricht ins Klassenzimmer zurückkehren. In Wales durften Geschäfte ebenfalls erstmals die Türen wieder für Kunden öffnen.

Sinkende Infektionszahlen und steigende Impfquote

Johnson hält die weitergreifenden Lockerungen in England angesichts der sinkenden Infektionszahlen für "vollauf gerechtfertigt", wie der Premier in der vergangenen Woche betont hatte. Laut der Johns-Hopkins-Universität verzeichnet Großbritannien mit mehr als 127.300 Corona-Toten europaweit die höchste Zahl an Todesopfern durch das Virus. Noch Anfang des Jahres hatten die britischen Gesundheitsbehörden pro Tag bis zu 60.000 Neuinfektionen verzeichnet, Mitte Januar mussten rund 39.000 Corona-Patienten auf Intensivstationen behandelt werden.

Doch seit diesem Höhepunkt der zweiten Corona-Welle gehen die Fallzahlen kontinuierlich zurück. Den jüngsten auf der Internetseite der britischen Regierung veröffentlichten Zahlen zufolge meldeten Gesundheitsämter in ganz Großbritannien am Samstag nur noch 1730 Neuinfektionen binnen eines Tages. Zudem würden nicht einmal mehr 3000 Patienten wegen einer Corona-Erkrankung in einem Krankenhaus behandelt.

Auch Großbritanniens Fortschritte beim Impfen machen die Lockerungen aus Sicht von Johnsons Regierung möglich. Großbritannien hatte bereits Anfang Dezember damit begonnen, gegen das Coronavirus zu impfen. Mittlerweile haben mit 32 der insgesamt rund 66 Millionen Einwohner fast die Hälfte zumindest die erste Impfdosis erhalten. Laut der Nachrichtenagentur AFP sind 7,2 Millionen Briten schon vollständig gegen das Virus geimpft.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. April 2021 um 06:02 Uhr und um 07:21 Uhr.