Die 10 Downing Street in London | EPA

Lockdown-Partys Downing Street entschuldigt sich bei Queen

Stand: 14.01.2022 14:04 Uhr

Trotz Lockdowns wurde in der Downing Street offenbar gefeiert und getanzt - während die Queen am nächsten Tag alleine in der Kirche Abschied von Prinz Philip nehmen musste. Nun hat sich die britische Regierung entschuldigt.

Das Büro des britischen Premierministers Boris Johnson hat sich beim Buckingham-Palast für zwei Lockdown-Partys am Vorabend der Beisetzung von Prinz Philip entschuldigt. "Es ist zutiefst bedauerlich, dass dies zur Zeit nationaler Trauer stattgefunden hat", sagte Johnsons Sprecher.

Johnson habe diese Woche bereits betont, dass das Verhalten im Regierungssitz den höchsten Standards entsprechen müsse. Die Downing Street übernehme auch die Verantwortung, "für Dinge, die wir nicht richtig gemacht haben". Sie habe sich auf offiziellem Weg beim Palast entschuldigt.

Die Queen allein in der Kirche

Einem Bericht des "Daily Telegraph" zufolge hatten etwa 30 Mitarbeiter am 16. April 2021 bis in die Nacht im Amtssitz getrunken und getanzt. Damals galten strenge Abstandsregeln wegen der Corona-Pandemie. Johnson befand sich laut dem Bericht zum Zeitpunkt der Partys auf dem Landsitz Chequers.

Besonders prekär ist, dass die Nation damals mit Königin Elizabeth II. um deren Gemahl trauerte, der im Alter von 99 Jahren gestorben war. Am Tag nach den Partys in der Downing Street nahm die Queen in der St George's Chapel Abschied von ihrem Mann, mit dem sie 73 Jahre lang verheiratet gewesen war.

Wegen der damals geltenden strengen Corona-Beschränkungen musste sie ganz alleine in einer Bankreihe der Kirche sitzen. Das Foto der einsamen Queen war einer der prägenden Eindrücke in der Pandemie.

Königin Elizabeth II. | AP

Nach 73 Jahren Ehe musste Queen Elizabeth II. sich von ihrem Mann verabschieden - wegen der Pandemie mit viel Abstand zu ihrer Familie. Bild: AP

Zuletzt Aufregung um Gartenparty

Johnson, der wegen einer Reihe von Skandalen ohnehin angeschlagen ist, musste sich zuletzt im Parlament für seine Teilnahme an einer Gartenparty entschuldigen, die es im Mai 2020 inmitten des ersten Corona-Lockdowns gegeben hatte.

Der Premier entschuldigte sich für den Eindruck, dass diejenigen, die die Corona-Regeln machten, sich nicht daran hielten. Er räumte ein, dass er am 20. Mai 2020 für 25 Minuten im Garten anwesend gewesen sei. Seinem Eindruck zufolge habe es sich um ein Arbeitstreffen gehandelt.

Rückblickend habe er damit falsch gelegen, sagte Johnson. Er forderte aber, das Ergebnis einer laufenden internen Untersuchung abzuwarten, bevor Konsequenzen gezogen werden.

Opposition fordert Rücktritt des Premiers

Die Opposition gibt sich damit nicht zufrieden. Sie fordert Johnsons Rücktritt. "Ich habe keine Worte für die Kultur und das Verhalten in No. 10", sagte die Vizechefin der größten Oppositionspartei Labour, Angela Rayner. Der Fisch stinke vom Kopf.

Der Chef der Konservativen Partei in Schottland, Douglas Ross, stellte sich offen gegen Johnson und forderte wie vier andere Tory-Abgeordnete dessen Rücktritt. Die Labour-Abgeordnete Lisa Nandy sagte der BBC, Johnsons Haltung sei untragbar. Bei Hinterbliebenen von Corona-Toten, die sich nicht verabschieden konnten von ihren Angehörigen, habe Johnsons Teilnahme an der Party Entsetzen und Abscheu ausgelöst.

Sicherheitsstaatssekretär Damian Hinds sagte dem Sender Sky News, die neuerlichen Berichte hätten ihn schockiert. "Das war eine besonders düstere Zeit für unser ganzes Land."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Januar 2022 um 09:00 Uhr.