Zeitungsreklame auf einer Straße in Johannesburg | REUTERS

Corona-Lage in Südafrika Wenige Infektionen trotz geringer Impfquote

Stand: 07.05.2021 13:29 Uhr

In Südafrika sind erst wenige geimpft, es grassiert eine besonders ansteckende Variante, die Corona-Regeln sind eher lax. Trotzdem sind die Infektionszahlen eher niedrig. Wie gelingt das?

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Eine Band spielt in einer Bar in Johannesburg. Es gibt nur wenige Plätze, man muss vorher buchen. Aber generell ist öffentliches Leben wieder möglich: Schulen haben auf, es gibt wieder Märkte, schon seit langem darf man in Restaurants und Kinos gehen.

Jana Genth ARD-Studio Johannesburg

"Wir haben nicht mehr so viel Angst"

Malcom Moyo, ein Passant in Pretoria, beschreibt das so: "Alles ist besser, die Zahlen sinken, und wir haben nicht mehr so viel Angst. Das Risiko ist nicht größer geworden."

Nomazwe Nkomo, eine Frau in Johannesburg, sieht das ähnlich, auch wenn sie Unterschiede sieht zum Leben vor der Pandemie. "Ich würde das nicht als normales Leben bezeichnen, weil wir immer noch Masken tragen", sagt sie. "Dass ich Zeit mit Familie und Freunden verbringen oder in die Kirche gehen kann, das fühlt sich normal an."

Erst 400.000 Impfungen

Trotz der vorherrschenden südafrikanischen Variante sind die Sterberaten und Infektionszahlen seit Ende Januar auf niedrigem Niveau, 95 Prozent aller Infizierten sind wieder gesund. Soweit die Statistik.

Dabei hinkt Südafrika in Sachen Impfungen nicht nur der westlichen Welt, sondern auch vielen Ländern in Afrika hinterher. Noch nicht einmal 400.000 Menschen habe ihre Dosis erhalten - das wirkt wie ein Tropfen auf den heißen Stein bei einer Bevölkerung von gut 60 Millionen.

Präsident weiß nicht, wann Impfstoff geliefert wird

Selbst Präsident Cyril Ramaphosa stellt keine Daten in Aussicht, nur so viel: "Jetzt haben wir die Verträge unter Dach und Fach, 41,5 Millionen Menschen zu impfen. Wann die Impfdosen geliefert werden, hängt aber von Faktoren ab, die wir nicht kontrollieren können", sagt er.

Im dritten Quartal des Jahres könnte es einen Schub geben bei den Impfungen. Aber auch bis dahin wollen die Menschen ihren Alltag leben, so wie Simon Ramatsosa, der Anfang 20 ist: "Für mich fühlt sich das normal an, wir sind doch zurück im Alltag, und vieles fühlt sich wieder leicht an. Ich kann ins Fitnessstudio gehen und mich mit Freunden im Park treffen."

Die Realität der zweiten Welle

Es gibt Virologen, die im Winter - der Südafrika nun bevorsteht - eine dritte Welle erwarten. Aber die Meinungen gehen auseinander. Mediziner Fundile Nyathi, der im Süden Johannesburgs eine Praxis hat und online berät, meint, die Menschen hätten aus der zweiten Welle nach Weihnachten viel gelernt.

Die zweite Welle sei heftiger gewesen als die erste - und nach der zweiten Welle habe fast jeder in Südafrika jemanden gekannt, der an Covid-19 gestorben war, so Nyathi. Die Leugner des Virus seien weniger geworden. "Die Realität der zweiten Welle hat die Menschen dazu gebracht, sich sehr viel ernsthafter an Regeln zu halten, sie halten Abstand, waschen die Hände und tragen Masken."

Südafrikaner sehen es pragmatisch: Wenn es keine Impfungen gibt, dann schützen wir uns eben selbst, meinen viele. Und mit dieser Einstellung scheint es zu klappen. Nicht zuletzt das Konzert in der Kneipe läuft wieder - mit Abstand, versteht sich, mit Gesichtsmaske und Handdesinfektionsmittel.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. Mai 2021 um 12:10 Uhr.