Ein Mann nimmt eine Ampulle eines für das Impfzentrum des Klinikum Stuttgart bestimmten Covid-19 Impfstoffes von Moderna aus einer Packung. | dpa

EU-Zahlen zu Impfstoffen Genug für 70 Prozent der Erwachsenen

Stand: 10.07.2021 15:13 Uhr

In der EU leben 366 Millionen Menschen über 18. Nach Angaben der EU-Kommission ist jetzt genug Impfstoff vorhanden, um 70 Prozent von ihnen gegen Corona zu impfen. Bislang unterscheiden sich die Impfquoten in den Mitgliedsstaaten stark.

Die EU-Kommission hat die Mitgliedsländer der Europäischen Union nach eigenen Angaben mit ausreichend Corona-Impfstoff versorgt, um mindestens 70 Prozent der erwachsenen Bürger vollständig zu impfen. Kommissionschefin Ursula von der Leyen teilte mit, bis Sonntag würden insgesamt rund 500 Millionen Impfdosen verteilt worden sein.

Bisher wurden demnach durch das gemeinsame EU-Beschaffungsprogramm 330 Millionen Dosen Impfstoff von BioNTech/Pfizer, 100 Millionen von AstraZeneca, 50 Millionen von Moderna und 20 Millionen von Johnson&Johnson geliefert. Mit Ausnahme von Johnson&Johnson sind für einen maximalen Schutz zwei Impfungen nötig. In der EU leben rund 366 Millionen Menschen über 18 Jahre.

Appell an die EU-Mitgliedsstaaten

Von der Leyen rief die EU-Länder auf, die Impfkampagnen zu forcieren. "Covid-19 ist noch nicht besiegt", mahnte sie. Die Mitgliedsstaaten müssten nun "alles dafür tun, dass die Impfungen vorankommen". Nur dann seien "alle sicher".

In Deutschland haben laut Gesundheitsminister Jens Spahn mittlerweile 42,1 Prozent der Bürgerinnen und Bürger den vollen Impfschutz, 58,2 Prozent sind mindestens einmal geimpft. "Das ist gut - aber im Wettlauf mit der Delta-Variante reicht das noch nicht", twitterte Spahn und rief zum Impfen auf. "Impfstoff, um jeden zu impfen, ist nun da. Bitte nutzen Sie es!"

Noch weit entfernt von Herdenimmunität

Nach Berechnung des Robert Koch-Instituts (RKI) müssten mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Menschen ab 60 Jahren vollständig geimpft sein, damit die sogenannte Herdenimmunität erreicht wäre. Experten hoffen, dass dieser Zustand vor dem Herbst eintritt, wenn schon jahreszeitlich bedingt mit einem Anstieg der Infektionszahlen zu rechnen ist.

Was ist Herdenimmunität?

Die Herdenimmunität bezeichnet den indirekten Effekt einer Impfung, der auftritt, wenn ein gewisser Anteil der Bevölkerung geimpft ist und dadurch die Übertragung des Erregers so reduziert wird, dass auch Ungeimpfte ein niedrigeres Risiko haben sich zu infzieren. Dieser Fall tritt dann ein, wenn Impfstoffe nicht nur das Auftreten der vom Erreger verursachten Erkrankung verhindern, sondern auch die Infektion mit dem Erreger bzw. seine Übertragung. Die Herdenimmunität setzt jedoch nicht abrupt ab einem gewissen Schwellenwert ein, sondern steigt mit steigenden Impfquoten in der Intensität.

"Die EU hat ihr Wort gehalten"

Die EU-Kommission ist für das gemeinsame Impfbeschaffungsprogramm verantwortlich. Von der Leyen hatte im Frühjahr das Ziel ausgegeben, bis Ende des Sommers mindestens 70 Prozent der erwachsenen EU-Bürger zu impfen. "Die EU hat ihr Wort gehalten", erklärte von der Leyen jetzt.

Allerdings liegt die Verantwortung für die Impfkampagnen bei den Regierungen der 27 Mitgliedsstaaten, und die Fortschritte unterscheiden sich erheblich. So haben laut EU-Daten etwa in Bulgarien erst 15 Prozent der Erwachsenen den vollen Impfschutz.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Juli 2021 um 15:00 Uhr.