Eine Katze hält eine Pfote hoch. | Bildquelle: dpa

Klontechnik in China Neuer Vierbeiner aus dem Reagenzglas

Stand: 19.01.2020 05:05 Uhr

Der Abschied von einem Haustier kann wie der Verlust eines Familienmitgliedes sein. In China bietet eine Firma eine ungewöhnliche Lösung: Aus den Zellen eines Tieres wird der Nachfolger geklont.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Siebzehn Jahre war die Hündin Li Shuyuan Teil der Familie. Dann starb sie im vergangenen Jahr an Brustkrebs. Herrchen Eric aus der Stadt Baoding in der ostchinesischen Provinz Hebei wollte nicht irgendeinen neuen Hund, sondern möglichst den gleichen nochmal.

"Nachdem meine Hündin gestorben war, habe ich die Firma 'Sinogene' kontaktiert. Wir haben dann Zellen aus ihrer Haut entnommen - und schließlich habe ich mich entschieden, sie zu klonen", erzählt Eric. Li Shuyuan war vermutlich eine Mischung aus einem Spitz, einem Chihuahua und einem chinesischen Straßenhund.

Welpen | Bildquelle: ARD-Studio Peking
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Der Klon eines Hundes kostet den Kunden umgerechnet etwa 50.000 Euro.

Firma verspricht Übereinstimmung von mehr als 99 Prozent

Beim Klonen liege die Übereinstimmung der Gene bei mehr als 99 Prozent, verspricht die Firma "Sinogene". Sie ist die führende Klonfabrik für Haustiere in China und liegt am Stadtrand von Peking. Leitender Manager ist Yining Wang, an seinem Bein springt ein geklonter Hundewelpe hoch.

"Die meisten Kunden kontaktieren uns, wenn ihre Haustiere bereits sehr krank oder gerade gestorben sind", sagt der Manager: "Wenn die Tiere noch leben, können wir schnell Zellen entnehmen. Wenn sie schon tot sind, egal ob Hund oder Katze, empfehlen wir den Besitzern, die Körper mit nassen Tüchern einzuwickeln und sie in den Kühlschrank zu legen. Nicht in den Gefrierschrank, das verletzt die Zellen." Der Rat des Experten: Hunde können eine Woche lang im Kühlschrank aufbewahrt werden, Katzen nur drei Tage. Sonst gibt es keine verwertbaren Zellen mehr.

Geneutnersuchungsraum | Bildquelle: ARD-Studio Peking
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Die Zellen für die geklonten Tiere müssen rechtzeitig entnommen werden.

Eine neue Mieze für rund 32.000 Euro

2017 hat die Firma Chinas ersten geklonten Hund für den Haustiermarkt präsentiert. Knapp 50 Kunden wurden seitdem mit Tieren beliefert. Der Preis für einen geklonten Hund liegt bei umgerechnet 50.000 Euro. Eine Katze gibt es bereits für 32.000 Euro. Das Klonen von Haustieren - für "Sinogene" ein Geschäftsmodell mit Zukunft.

"China ist eines der führenden Länder beim Klonen von Tieren. Aber für den privaten Gebrauch - das ist neu. Wir haben uns gefragt, wie wir mit dem Klonen deprimierten Haustierfreunden helfen können. Das ist unsere Zielgruppe", sagt Yining Wang. Statistiken zufolge lebten in China etwa 100 Millionen Hunde und Katzen in Städten, so der Manager weiter. "Jedes Jahr sterben drei Prozent davon, diese Lücke wollen wir schließen. Da kann unser Service ganz einfach helfen."

Manager Wang Yining | Bildquelle: ARD-Studio Peking
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Manager Yining Wang sieht das Angebot seiner Firma als "Hilfe für deprimierte Haustierfreunde".

Auch Polizeihunde und seltene Tiere als Klone

Dem 38-jährigen Eric hat "Sinogene" geholfen. Er hat gleich zwei Klone seiner Hündin bekommen: Doudou und Koukou. Kombiniert heißen die beiden chinesischen Zeichen "junge Dame". Eric trägt die kuscheltiergroßen Hunde unter seiner dicken Winterjacke. Mit dem Ergebnis ist er zufrieden:

"Wenn du einen Hund klonst, bekommst du immer das, was du erwartet hast. Diese hier sind genau das, was wir erwarten haben: Identische Hunde, die so aussehen wie unser alter Hund und vom Charakter her sehr ähnlich sind."

Für "Sinogene" geht die Entwicklung weiter. Ein berühmter chinesischer Schauspieler hat ein Pferd bestellt. Das Fohlen soll im November zur Welt kommen. Zudem gibt es bereits eine Zusammenarbeit mit dem Pekinger Zoo: Vor allem bedrohte Tiere sollen geklont werden. Auch die Pekinger Polizei hat bereits sechs Hunde von "Sinogene" im Einsatz.

Geklonter Waldi 2.0: Haustiere klonen in China
Axel Dorloff, ARD Peking
18.01.2020 17:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. Januar 2020 um 16:41 Uhr.

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