Passanten in Shanghai | EPA

Steigende Corona-Fallzahlen In China wächst die Nervosität

Stand: 01.08.2021 12:59 Uhr

China hatte sich an die Abwesenheit von Corona gewöhnt - nun steigen die Infektionszahlen wieder an. Für Aufsehen sorgt der Peking-Besuch des Vizepräsidenten von Simbabwe: In seiner Delegation gibt es einen Fall.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Fast 80 neue Covid-19-Fälle meldeten die chinesischen Behörden landesweit. Dazu kommen die mehr als 300 Neuinfektionen der vergangenen Wochen. Bei einer Bevölkerung von rund 1,4 Milliarden Menschen sind das eigentlich zu vernachlässigende Zahlen, aber die Nervosität in der Volksrepublik ist trotzdem groß. Denn der Corona-Ausbruch der vergangenen Wochen ist der stärkste seit mehr als einem halben Jahr.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Kaum noch Corona-Regeln

Im Ausgangsland der Covid-19-Pandemie verfolgt die Staatsführung eine konsequente Null-Covid-Strategie - und die Bevölkerung hat sich daran gewöhnt. Corona-Beschränkungen gibt es in China quasi keine mehr. Das könnte sich nun wieder ändern.

Vor allem in Nanjing im ostchinesischen Landesteil Jiangsu sind die Fallzahlen zuletzt stark gestiegen. Am Flughafen von Nanjing waren am 20. Juli neun Reinigungskräfte positiv auf die besonders ansteckende Delta-Variante getestet worden.

Alle rund neun Millionen Einwohner von Nanjing werden seitdem getestet, einige wurden bereits zwei- oder dreimal getestet. Ämter, Behörden und viele öffentliche Gebäude in der Stadt sind geschlossen. Auch viele Büros und Firmen in Nanjing bleiben zu.

Reisen im Land wieder mit vielen Auflagen

In den vergangenen Tagen wurden auch in anderen chinesischen Landesteilen neue Covid-Fälle gemeldet, unter anderem im dicht besiedelten Shandong, in Hubei, Yunnan und in der Hauptstadt Peking. Die Behörden erschweren nun seit einigen Tagen wieder das Reisen innerhalb Chinas. Viele Städte verlangen negative Tests, wenn Menschen aus anderen Landesteilen ankommen.

Die Impfkampagne in China macht zwar Fortschritte, nach staatlichen Angaben wurden mehr als 1,6 Milliarden Impfdosen verabreicht. Doch viele Menschen sind von der Wirksamkeit der heimischen Vakzine nicht überzeugt.

Staat wirbt um Vertrauen für eigene Vakzine

Shao Yiming vom staatlichen Amt für Seuchenschutzkontrolle wies die Zweifel gestern bei einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz zurück. "Zum ersten Mal in der Geschichte werden Coronavirus-Impfstoffe beim Menschen eingesetzt. Es müssen also noch viele Daten zur Wirksamkeit gesammelt werden. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass keiner der weltweit eingesetzten Impfstoffe zu 100 Prozent wirkt." Aber auch die chinesischen Impfstoffe schützten gut gegen schwere Verläufe von Covid-19, betonte Shao.

Unabhängig davon ergeben sich durch den neuesten Corona-Ausbruch in China viele Fragen. Etwa die, wie es zu dem Ausbruch am Flughafen von Nanjing genau kommen konnte - trotz scharfer Testregularien und bis zu dreiwöchiger Zwangsquarantäne für alle, die nach China einreisen. Angeblich wurde das Virus über einen Flug aus Russland eingeschleppt.

Für Aufsehen sorgt ein Corona-Fall in der Delegation des simbabwischen Vizepräsidenten, der sich gerade privat in Peking aufhält. Nachdem ein Mitglied der Delegation von Constantine Chiwenga positiv getestet worden war, musste ein Luxushotel im Zentrum von Peking abgeriegelt werden. Hunderte Menschen wurden nach einem Bericht des "Wall Street Journal" unter Quarantäne gestellt.

Wird der Fall geheimgehalten?

Der Fall ist brisant, weil die Hauptstadtregion von den Behörden seit Monaten besonders stark abgesichert wird gegen Corona-Fälle. Bemerkenswert ist auch, dass der Fall nach Angaben des "Wall Street Journal" nicht in der offiziellen chinesischen Corona-Statistik aufgetaucht ist.

Gleichzeitig versucht Chinas Staats- und Parteiführung weiter alles, um die internationale Diskussion über den Ursprung der Covid-19-Pandemie kleinzuhalten. Immer wieder warnt sie vor einer "Politisierung" der Suche nach der Herkunft des Corona-Virus.

Erstmals nachgewiesen wurde das Lungenvirus Ende 2019 im zentralchinesischen Wuhan. Chinas Staats- und Parteiführung streut seit Monaten Gerüchte, wonach der wahre Ursprung von Covid-19 in den USA liegen könnte, in einem Militärlabor im US-Bundesstaat Maryland.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. August 2021 um 12:10 Uhr.