Ein Foto des getöteten Afroamerikaners George Floyds ist auf einer Kette eines Angehörigen zu sehen. | REUTERS

George-Floyd-Prozess in Minnesota Nun tagt die Jury

Stand: 20.04.2021 05:06 Uhr

Im Prozess um den Tod des Afroamerikaners George Floyd berät nun die Jury über ein Urteil. Vor dem Gebäude machen Demonstranten bereits klar, was passieren werde, wenn ein weiterer Polizist freigesprochen wird.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Die US-Abgeordnete Maxin Waters hatte bei einer Demonstration in Minneapolis die Stimmung der Straße auf den Punkt gebracht: Sie verlange eine Verurteilung von Derek Chauvin, erklärte die US-Demokratin Waters am Wochenende. Und auf Nachfrage sagt die 82-Jährige, wenn es anders kommt, gehe der Protest weiter.

Wir werden stärker die Konfrontation suchen und sicher stellen, dass sie verstehen, dass wir es ernst meinen.
Torsten Teichmann ARD-Studio Washington

Draußen kommt das an. Drinnen im Gerichtssaal sagt Richter Peter Cahill, der Versuch der Abgeordneten, die Geschworenen zu beeinflussen, könnte Grundlage für eine spätere Berufung sein.

Anwälte halten Schlussplädoyers

Aber noch ist es nicht soweit. Noch gibt es kein Urteil. Erst einmal haben Verteidigung und Staatsanwaltschaft ihre Schlussplädoyers im Prozess gegen den Ex-Polizisten Chauvin gehalten.

Die versuchte Festnahme des schwarzen Amerikaners George Floyd im Mai 2020 sei kein Polizeieinsatz gewesen sondern Mord, sagt Steven Schleicher als Vertreter der Anklage. Chauvin drohen im Fall einer Verurteilung bis zu 40 Jahre Haft.

Noch einmal zeigt die Staatsanwaltschaft Bilder und Videos, wie Chauvin in die Festnahme eingreift und später dem am Boden liegenden Floyd neun Minuten und 29 Sekunden das Knie in den Hals drückt - wie die Anwälte immer wiederholen.

Er rief George Floyd zu, Du kannst nicht gewinnen. Und George Floyd antwortete 'Ich versuche nicht zu gewinnen. Ich habe Angst.'

Verteidiger spricht von "angemessenem" Verhalten

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft war es Chauvin, der sich in der Konfrontation um jeden Preis durchsetzen wollte.

Der Angeklagte, der Angeklagte versuchte zu gewinnen. Er wollte sich nicht sagen lassen, was er zu tun hat. Er wollte seine Autorität nicht in Frage gestellt sehen. Er versuchte zu gewinnen. Und George Floyd bezahlte mit seinem Leben.

Chauvins Verteidiger, Eric Nelson zog die Anklage in Zweifel, außerdem die Aussage vieler Augenzeugen und die Berichte von Sachverständigen. Das Verhalten seines Mandaten nannte er angemessen.

Alle Beweise belegen, dass Derek Chauvin seiner Ausbildung folgte. Er befolgte die Richtlinien der Polizei von Minneapolis. So wurde er ausgebildet.

Chauvin verlangt Freispruch

Chauvin habe keinen Vorsatz gehabt, George Floyd zu töten, so Verteidiger Nelson. Er verlangt Freispruch. George Floyds Abhängigkeit von Opioiden und bestehende Herzprobleme seien entscheidende Faktoren für den Tod während des Polizeieinsatzes gewesen.

Nun müssen 12 Geschworene entscheiden. Sie beraten und werden für die Zeit nicht nach Hause zurückkehren können. Erst, wenn sie ein Urteil gefällt haben, tritt das Gericht wieder zusammen. Das kann Tage dauern, vielleicht aber auch Wochen.

Über dieses Thema berichtete am 20. April 2021 die tagesschau um 02:19 Uhr und Inforadio um 06:51 Uhr.