Schafe auf irischer Farm | Bildquelle: REUTERS

Im Falle eines harten Brexits Irland will große EU-Nothilfen

Stand: 03.01.2019 20:55 Uhr

Irland will die EU im Falle eines harten Brexit um Nothilfen in Millionenhöhe bitten. In der Rindfleisch- und Fischereiindustrie gehe um "riesige Geldsummen", sagte Agrarminister Creed.

Die irische Regierung setzt im Fall eines chaotischen Brexits ohne Abkommen auf erhebliche zusätzliche Agrarsubventionen aus Brüssel. Das sagte der Landwirtschaftsminister des Landes, Michael Creed, dem irischen "Independent". Es gehe dabei um Hunderte Millionen Euro. "Bei den Rindfleisch-Produzenten und den Fischern sprechen wir vom richtig großen Geld."

Großbritannien ist der wichtigste Markt für irische Lebensmittel - beispielsweise gehen nach Creeds Angaben 50 Prozent des in Irland produzierten Rindfleischs ins Vereinigte Königreich. Sollte Großbritannien am 29. März 2019 ohne Abkommen aus der EU ausscheiden, könnten für irische Exporte dorthin erhebliche Zölle anfallen.

Irland von britischem Markt abhängig

Michael Creed (Archivbild) | Bildquelle: OLIVIER HOSLET/EPA-EFE/REX
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Der irische Landwirtschaftsminister Michael Creed sieht im Falle eines harten Brexits die EU in der Pflicht.

"Es gibt eine hohes Maß an Wahrnehmung für Irlands einzigartige Abhängigkeit vom britischen Lebensmittelmarkt", sagte Creed und fügte hinzu: "Aber ich glaube, niemand will jetzt darüber reden, weil es immer noch die Hoffnung und Erwartung gibt, dass sich ein Maß an Verstand durchsetzen wird."

Das britische Parlament soll in der dritten Januar-Woche über den mit Brüssel ausgehandelten Vertrag über den EU-Austritt abstimmen. Wird der Deal abgelehnt - wonach es bislang aussieht -, droht am 29. März ein ungeregeltes Ausscheiden. Tausende Regeln für den grenzüberschreitenden Handel und Verkehr zwischen Großbritannien und der EU würden abrupt ungültig werden. Grenzkontrollen müssten eingeführt werden.

Dublin und Berlin über Brexit-Ankommen einig

Nach Angaben der Regierung in Dublin sind Irland und Deutschland darüber einig, dass das Brexit-Abkommen mit Großbritannien nicht mehr aufgeschnürt werden soll. In einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sei aber auch Übereinstimmung erzielt worden, dass den Briten so weit wie möglich Zusicherungen gemacht werden sollten, sagte Ministerpräsident Leo Varadkar.

Brexit bringt Irland Arbeitsplätze

Schon jetzt profitiert Irland jedoch vom Brexit. 2019 wurden dadurch mehr als 4500 Jobs geschaffen, teilte die irische Investitionsbehörde mit. Mehr als 55 Unternehmen hätte neue Standorte gegründet oder bestehende ausgebaut. Dazu gehören die großen Finanzhäuser Bank of America und Morgan Stanley.

Nach dem EU-Austritt Großbritanniens brauchen in London ansässige Banken eine eigene Gesellschaft mit Banklizenz in einem EU-Land, um ihre Produkte und Dienstleistungen in den verbleibenden 27 Mitgliedstaaten vertreiben zu dürfen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Januar 2019 um 20:00 Uhr.

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