Zehntausende Demonstranten versammelten sich am 23. August in Zentral-Minsk, um den Rücktritt des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko zu fordern. | Bildquelle: REUTERS

Proteste in Belarus Verschwunden, verprügelt, tot gefunden

Stand: 24.08.2020 13:00 Uhr

Während der Proteste in Belarus sind Dutzende Menschen verschwunden: Demonstranten, Journalisten, Wahlhelfer. Nun sind zwei von ihnen tot aufgefunden worden, andere bleiben vermisst. Das Innenministerium hat eine zynische Erklärung.

Die Gewaltexzesse des belarussischen Sicherheitsapparats nach dem Wahlsonntag am 9. August sind in der Landesgeschichte beispiellos - und brachten viele der 9,5 Millionen Einwohner erst dazu, sich den Protesten gegen Präsident Alexander Lukaschenko anzuschließen. Tausende Menschen wurden verhaftet, die meisten in Gefangenschaft schwer misshandelt - und von vielen fehlt noch immer jede Spur. Doch die Umstände, unter denen zwei zeitweise Verschwundene zuletzt aufgefunden worden, lassen Schlimmes befürchten.

Einer von ihnen ist der 28-jährige Demonstrant Nikita Kriwzow, der seit dem 12. August unauffindbar war - das letzte Mal geortet werden konnte sein Telefon bei einer Minsker Klinik. Zehn Tage später wurde er erhängt in einem Wald außerhalb Minsks aufgefunden - über den Zustand seiner Leiche gibt es widersprüchliche Angaben.

Am 19. August war der 29-jährige Direktor eines Militärmuseums in der Provinzstadt Waukawysk, Konstantin Schischmakow, tot in einem Fluss aufgefunden worden. Er hatte sich Berichten zufolge zuvor geweigert, ein manipuliertes Wahlprotokoll zu unterschreiben, und war an seinem ersten Arbeitstag nach der Wahl verschwunden. Noch am Abend des 15. Augsut hatte er "Radio Svoboda" zufolge seiner Frau am Telefon gesagt: "Ich kann hier nicht mehr arbeiten; ich gehe nach Hause" - kam dort aber nicht an.

Erneut Proteste und Demonstrationen gegen Staatschef Lukaschenko
tagesschau 20:00 Uhr, 24.08.2020, Jo Angerer, ARD Moskau, zzt. Minsk

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Zuvor waren zwei unmittelbare Teilnehmer der Proteste bei den Demonstrationen getötet worden: Der 34-jährige Alexander Tarajkowskyj starb nach Angaben der Behörden, als ein Sprengsatz in seinen Händen explodierte - nach Angaben seiner Frau Alena Herman hatte seine Leiche aber keinerlei Verbrennungen, nur eine genähte Wunde an der Brust und einen großen Bluterguss. Ein weiterer Mann kam an einer schweren Kopfverletzung ums Leben, nachdem ein Polizeifahrzeug ihn angefahren hatte.

Ministerium: Vermisste teils "im Urlaub"

In Dutzenden anderen Fällen haben die Angehörigen noch immer keine Nachricht. In der Rubrik "Haben Sie diese Person gesehen?", die das belarussische Nachrichtenportal "tut.by" inzwischen eingerichtet hat, sind nach eigenen Angaben etwa 80 Suchanfragen eingegangen. Die Anzeigen, die die Such- und Rettungsorganisation "Angel" veröffentlicht, mehren sich täglich.

Das belarussische Innenministerium hat angesichts der vielen Vermisstenfälle eine Mitteilung veröffentlicht, der für viele Angehörige und Beobachter klingen mag wie Hohn. Man habe seit dem Wahltag Hunderte Benachrichtigungen von Menschen erhalten, die ihre Verwanden und Bekannten vermissten, heißt es auf der Webseite des Ministeriums - inzwischen seien sie bis auf einige Dutzend abgearbeitet und ließen folgende Rückschlüsse zu: einige verbüßten derzeit Haftstrafen, ein bedeutender Teil der Leute sei "zum Geldverdienen oder Urlaub ins Ausland" gefahren, ohne jemanden zu benachrichtigen, ein anderer Teil seien Menschen mit "asozialem Lebensstil". Die meisten Überprüften seien zeitweise festgenommen worden, aber inzwischen frei - und hätten "nicht schlecht gestaunt, dass jemand ihre Daten öffentlich zugänglich machte".

Unabhängige Nachrichtenportale blockiert

Erschwert wird die Suche nach Verschwundenen und den Zustand der Proteste durch die Repressionen gegen freie Berichterstattung: Während der Verhaftungswelle waren auch zahlreiche Journalisten aus Belarus und dem Ausland festgenommen worden - sie berichten nicht nur von Behinderung ihrer Arbeit, sondern auch von schweren Misshandlungen in Haft. Nach Angaben des belarussischen Journalistenverband BAJ wurden 36 von 72 festgenommenen Journalisten von Sicherheitskräften geschlagen und verletzt.

Nachdem Mitarbeiter staatlicher belarussischer Medien in Scharen den Dienst niederlegten, hat Lukaschenko eigenen Angaben zufolge ihre Arbeitskräfte durch Kollegen aus Russland ersetzt. Inzwischen sind in Belarus die meisten unabhängigen Nachrichtenportale blockiert worden - unter ihnen die Webseite des Senders "Belsat", "Radio Swoboda", aber auch die lokalen "Wizebsker Volksnachrichten" und das jugendnahe Portal "The Village".

Der Verband BAJ schrieb in einer Erklärung, die Blockierung entspreche einer indirekten Zensur und verletzte "nicht nur die Rechte von Journalisten und Medien, sondern schränken auch das verfassungsmäßige Recht der Bürger auf vollständige, zuverlässige und aktuelle Informationen ein". Der Verband forderte die Behörden auf, den Druck auf die Presse unverzüglich einzustellen und rief internationale Organisationen zur Unterstützung auf.

"Die Demonstranten lassen sich nicht mehr vertreiben", Jo Angerer, ARD Moskau, zzt. Minsk, zur Chance der Opposition auf einen Machtwechsel in Belarus
tagesschau 17:00 Uhr, 24.08.2020

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Belarus – Fronten verhärtet, Lage angespannt
Christina Nagel, ARD Moskau
24.08.2020 08:06 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 24. August 2020 um 15:45 Uhr.

Darstellung: