Ein Handout-Foto, das über den Twitter-Account @Bw_Einsatz der Bundeswehr, zeigt Personal und evakuierte Menschen in Taschkent, Usbekistan. (Bild vom 21.08.21 | via REUTERS

Flüchtlinge aus Afghanistan Usbekistan will nur Transitstation sein

Stand: 25.08.2021 16:27 Uhr

Der Flughafen von Taschkent in Usbekistan dient als Drehkreuz für die Evakuierungen aus Kabul. Manch Politiker hofft zudem, die afghanischen Nachbarländer könnten Flüchtlinge aufnehmen. Doch dort wird das skeptisch gesehen.

Von Stephan Laack, ARD-Studio Moskau

Ob und wieviel Deutschland dem autoritär regierten Usbekistan dafür bezahlt, es als Drehscheibe und Transitland zu nutzen, ist laut dem Zentralasien Experten Daniil Kislow nicht bekannt. Der Gründer der Nachrichtenplattform Ferghana.ru hält finanzielle Aspekte hierbei auch nicht für entscheidend. "Es geht darum, dem Staat ein positives Image zu verschaffen, der bei dem Problem der Evakuierung aus Kabul nicht untätig bleibt und seinen europäischen westlichen Partnern hilft." Diese Imagekomponente sei wichtiger als Geld, sagt Kislow.

Stephan Laack

In Deutschland gibt es bei vielen Politikern die Vorstellung, man könne Flüchtlinge aus Afghanistan auf die benachbarten Länder verteilen. Dass Usbekistan für die längerfristige Aufnahme von Schutzsuchenden bereit ist, hält Afghanistan-Experte Akram Umarow vom Institut für Außenpolitik in Taschkent für unwahrscheinlich.

"Wir wissen ja nicht, für wie lange wir diese Menschen unterbringen müssten, uns fehlt dazu auch die notwendige Infrastruktur. Für einen kurzen Zeitraum mag das vielleicht möglich sein, aber wenn sie Monate oder sogar Jahre blieben, dann könnte das Probleme verursachen."

Keine dauerhaften Flüchtlingscamps

Soziale Spannungen, Arbeitslosigkeit, Anstieg der Verbrechen könnten die Folge sein, glaubt Umarow. Usbekistan wolle keine dauerhaften Flüchtlingscamps - man beobachte sehr genau, dass Länder wie Iran oder Pakistan mit der Aufnahme von Flüchtlingen überfordert seien. Hinzu komme die Sorge vor religiösem Extremismus, der sich in der Region, also auch in Ex-Sowjetrepubliken Zentralasiens wie Usbekistan oder Tadschikistan, ausbreiten könnte.

"Das ist natürlich ein Thema, das die gesamte Region, nicht nur Usbekistan betrifft. Wir haben hier immer noch Probleme mit religiösem Extremismus und Terrorismus." Und die Tatsache, dass eine solche Gruppe wie die Taliban in Afghanistan an die Macht gelangt sei, könnte anderen extremistischen Gruppierungen zum Vorbild dienen, befürchtet Umarow.

Massen an Waffen

Besonders besorgt sei man auch darüber, dass nach dem überstürzten Abzug des Westens große Mengen an Waffen und Munition, die eigentlich für die afghanischen Streitkräfte gedacht waren, unkontrolliert in Afghanistan zurückgelassen worden seien.

Vehement gegen die Errichtung von Flüchtlingslagern in den zentralasiatischen Ex-Sowjetrepubliken ist Russlands Präsident Wladimir Putin. Moskau zählt die Region zu seiner Einflusssphäre. Und Putin betont, dies sei eine Frage, die auch die Sicherheit seines Landes betreffe.

"Unsere - sagen wir - westlichen Partner werfen ständig die Frage auf, Flüchtlinge in zentralasiatischen Ländern unterzubringen, bevor sie Visa für die Vereinigten Staaten oder für andere Länder erhalten. Sie können also ohne Visum in diese Länder geschickt werden, zu unseren Nachbarn, aber sie wollen sie nicht ohne Visum bei sich aufnehmen?", sagte Putin am Wochenende vor Vertretern der Regierungspartei Geeintes Russland.

Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen beschlossen

Es sei ein Leichtes für Extremisten, dann über die grüne Grenze weiter nach Russland einzusickern. "Wir wollen nicht, dass hier wieder Militante unter dem Deckmantel von Flüchtlingen auftauchen. Wir zählen sehr darauf und werden alles tun, auch mit unseren westlichen Partnern, die Stabilität in Afghanistan zu gewährleisten", so der Kreml-Chef.

Das von Russland angeführte Sicherheitsbündnis OVKS, dem Ex-Sowjetrepubliken wie Kasachstan, Tadschikistan oder Kirgistan angehören, beschloss Anfang der Woche, zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für die Region zu ergreifen, die bis Mitte September umgesetzt werden sollen. Russland gab zudem bekannt, mehrere Panzerabwehrsysteme an die Grenze zu Afghanistan zu verlegen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 23. August 2021 um 06:47 Uhr.