Demonstration in Istanbul gegen die Wirtschaftspolitik der türkischen Regierung | AP

Proteste gegen Währungsverfall Offenbar Festnahmen bei Demos in der Türkei

Stand: 12.12.2021 17:24 Uhr

In der Türkei haben Tausende Menschen gegen die Regierung protestiert. Angesichts der Währungskrise forderten sie ein Umdenken in der Wirtschafts- und Sozialpolitik. In Ankara nahm die Polizei offenbar 90 Demonstranten fest.

Angesichts der Währungskrise in der Türkei haben in Istanbul und Ankara zahlreiche Menschen demonstriert. In der Metropole Istanbul gingen nach Angaben der Veranstalter Tausende auf die Straße. Die Demonstranten versammelten sich im asiatischen Teil der Stadt und hielten Schilder hoch mit der Aufschrift: "Es reicht!" Die linke Gewerkschaft Disk hatte zu dem Protest aufgerufen.

In Ankara wurden mindestens 90 Studenten festgenommen, wie die Initiative "Wir finden keinen Unterschlupf" mitteilte. Sie hatten trotz eines Demonstrationsverbots des Gouverneurs versucht, sich in der Hauptstadt zu versammeln. Studenten protestieren seit diesem Sommer mit verschiedenen Aktionen gegen hohe Mieten und fordern bezahlbaren Wohnraum.

"Die Menschen verarmen"

Ausgelöst wurden die Proteste durch den stetigen Verfall der Landeswährung Lira und der hohen Inflation von mehr als 20 Prozent. In Istanbul etwa hat sich das Leben nach Angaben der Stadtverwaltung innerhalb eines Jahres um mehr als 50 Prozent verteuert. Den höchsten Preisanstieg verzeichnet demnach Sonnenblumenöl mit einem Plus von rund 138 Prozent.

Die Opposition zweifelt die offiziellen Daten zur Inflation allerdings an und geht davon aus, dass die reale Teuerungsrate noch deutlich höher ist. Der Generalsekretär der Gewerkschaft Disk, Adnan Serdaroglu, warnte im Sender Halk TV: "Die Menschen verarmen." Er forderte eine deutliche Anhebung des monatlichen Mindestlohns von aktuell rund 3600 Lira brutto (rund 230 Euro).

Erdogan glaubt Volkswirten nicht

Hintergrund der Lira-Krise ist nach Ansicht von Kritikern unter anderem die Einmischung von Präsident Recep Tayyip Erdogan in die Geldpolitik der Notenbank. Er drängt immer wieder auf niedrige Zinsen und vertritt entgegen gängiger volkswirtschaftlicher Lehre die Ansicht, hohe Zinsen förderten die Inflation.

Anfang Dezember hatte Erdogan angesichts der dramatisch hohen Inflation zum zweiten Mal binnen Wochen seinen Finanzminister ausgetauscht. Der vorige Wechsel auf dem Posten war erst im November erfolgt.

Über dieses Thema berichten die tagesthemen am 12. Dezember 2021 um 22:45 Uhr.