Recep Tayyip Erdogan ballt bei einer Rede die Faust. | AP

Neue Militäroffensive Türkei greift PKK-Ziele im Nordirak an

Stand: 24.04.2021 22:57 Uhr

Mit Luft- und Artillerieangriffen geht die Türkei erneut gegen Kurdenmilizen im Nordirak vor. Der türkische Präsident Erdogan begründete das Vorgehen mit der "Terrorbedrohung", die von der PKK ausgehe.

Die Türkei hat eine neue Militäroffensive gegen Kurdenmilizen im Nordirak begonnen. Wie der türkische Staatssender TRT berichtete, begann das Militär am Freitagabend mit Luft- und Artillerieangriffen gegen Ziele der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der türkischen Grenzstadt Hakkari. Am Samstag beteiligten sich demnach auch Spezialkräfte, bewaffnete Drohnen und Helikopter mit Luftschlägen unter anderem in den irakischen Kandil-Bergen. In dem schwer zugänglichen Gebirge liegt das Hauptquartier der PKK.

"Heldenhafte Kommandotruppen der heldenhaften türkischen Streitkräfte befinden sich im Nordirak", twitterte das türkische Verteidigungsministerium, ohne nähere Angaben zur Zahl der beteiligten Soldaten zu machen.

Erdogan spricht von "Terrorbedrohung" an der Grenze

"Mehrere Terroristen wurden neutralisiert", erklärte Präsident Recep Tayyip Erdogan in einer Videobotschaft, die über die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu verbreitet wurde. Ziel der Offensive sei es, die "Terrorbedrohung" entlang der türkischen Südgrenze "vollständig zu beenden". Mit Blick auf die PKK sagte Erdogan, die Türkei werde "kämpfen, bis wir diese Mörderbanden beseitigt haben". Es gebe keinen Raum für die "separatistische Terrororganisation" in der Zukunft der Türkei, des Irak oder Syriens." Dabei betonte er, die Türkei respektiere die territoriale Integrität des Iraks.

Reaktionen aus Bagdad oder der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak blieben zunächst aus. In der Vergangenheit hatte der Irak der Türkei vorgeworfen, mit Militäraktionen seine staatliche Souveränität zu verletzen.

Zehntausende Opfer seit Beginn des Konflikts

Die türkische Regierung und die PKK bekämpfen sich seit Jahrzehnten. Die PKK gilt in der Türkei, Europa und den USA als Terrororganisation. Sie führt seit 1984 einen Guerilla-Kampf gegen den türkischen Staat, bei dem es anfänglich um die kurdische Unabhängigkeit ging. Die türkischen Sicherheitsbehörden reagierten mit Härte.

Der andauernde Konflikt hat bereits Zehntausende Menschen das Leben gekostet. Seit dem Scheitern eines Waffenstillstands im Sommer 2015 fliegt das türkische Militär wieder regelmäßig Angriffe gegen die PKK im Nordirak und in der Südosttürkei. Die PKK wiederum verübt Anschläge.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. April 2021 um 23:00 Uhr.