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Türkei errichtet Mauer Ein Bollwerk an der Grenze zum Iran

Stand: 28.12.2020 13:33 Uhr

Hunderttausende Flüchtlinge kommen jedes Jahr über den Iran in den Osten der Türkei. Eine kilometerlange Mauer in der bergigen Grenzregion soll das in Zukunft verhindern.

Von Oliver Mayer-Rüth, ARD-Studio Istanbul, zurzeit Van

Mehr als 5000 Meter ragt der ruhende Vulkan Ararat an der türkisch-iranischen Grenze in den Himmel. Nach der alttestamentlichen Überlieferung soll am gleichnamigen Gebirge die Arche Noah gestrandet sein.

Auf Flüchtlinge, die vom Iran die Grenze zur Türkei überqueren wollen, muss der Ararat von weitem ähnlich verheißend wirken, wie einst auf Noah, kurz bevor er nach einem Jahr und zehn Tagen Sintflut, wie es in der Bibel heißt, dort mit der Arche auf Grund lief.

Laut Schätzungen sind in den vergangenen Jahren Hunderttausende Flüchtlinge vom Iran aus über die Berge illegal in den Osten der Türkei eingereist, viele von ihnen aus Afghanistan, Pakistan oder Bangladesch, aber auch aus Syrien.

Türkei schottet seine Grenze gegen Flüchtlinge durch eine Mauer zum Iran ab
tagesschau 16:47 Uhr , 27.12.2020, Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

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Die Fluchtroute wird unterbrochen

Ein Bollwerk aus Beton, Stahl und Stacheldraht soll das jetzt verhindern. Im November schrieb der türkische Innenminister Sulejman Söylu im Kurznachrichtendienst Twitter, 81 Kilometer der Mauer entlang der Provinz Agri seien fertiggestellt.

Für ältere Flüchtlinge oder Familien sei dies tatsächlich ein Hindernis sagen junge Männer aus Afghanistan der ARD. Sie haben es vergangenes Wochenende trotz Mauer geschafft in die Türkei zu kommen.

Es sei lebensgefährlich, erklären sie. Nicht jeder komme über die Mauer, so Nawid Sawari aus Kabul. "Während wir versucht haben, über die Mauer zu klettern, haben Grenzschützer auf uns geschossen", berichtet der junge Mann.

Flüchtlinge in der türkischen Grenzstadt Van (Sendungsbild)
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Sie haben die Flucht über die Berge geschafft: Migranten in der türkischen Grenzstadt Van (Sendungsbild).

Gräber ohne Namen

In der südlich von Agri gelegene Grenzstadt Van wurden auch im Dezember wieder Flüchtlinge auf einem Friedhof begraben. Auf ihren Grabsteinen stehen eine Nummer und das Datum der Beerdigung. Ihre Identität ist unbekannt. Viele Flüchtlinge erfrieren auf dem Weg über die Gebirgskette zwischen dem Iran und der Türkei.

Der Menschenrechtsanwalt Mahmut Kacan sagt, das Risiko für Flüchtlinge auf dem Weg zu sterben, sei durch die Mauer weiter gestiegen. Aufhalten könne man die Menschen auf Dauer jedoch nicht. Wenn es eine Mauer gibt, baue man eben Tunnel, so Kacan.

Diese Mauer sei vor allem aus innenpolitischen Gründen gebaut worden, aber auch um der internationalen Gemeinschaft zu zeigen, dass die Türkei gegen die Flüchtlingsbewegung vorgehe. Es sei eine Show, kritisiert der Anwalt.

Grabsteine ohne Namen auf dem Friedhof der türkischen Grenzstadt Van (Sendungsbild)
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Grabsteine ohne Namen zeugen in Van davon, wie gefährlich die Flucht durch die Bergregion ist (Sendungsbild).

Zwischenstopp auf dem Weg nach Europa

An der Straße entlang der Grenze steht in Blickweite von der Mauer ein Kiosk. Faik Sonay kann seit Jahren beobachten, wie Flüchtlinge aus den Bergen in die Türkei kommen. Vielen von ihnen kaufen bei ihm Wasser und Schokoriegel, bevor sie weiter Richtung Europa ziehen.

Sonay widerspricht dem Menschenrechtsanwalt. Er glaubt, die Mauer zeige Wirkung. Er wisse zwar nicht hundertprozentig, ob es nur an der Mauer oder auch an dem rauen Winter liege, aber die Flüchtlinge seien weniger geworden.

Weitere Sperren sollen folgen

Die Regierung in Ankara will auf der gesamten 560 Kilometer langen Grenze zum Iran eine Mauer bauen. Mit dem bei Agri fertiggestellten 81 Kilometer langen Abschnitt sind nun 150 Kilometer Grenzmauer errichtet.

Diese soll nicht nur die Flüchtlingsbewegung eindämmen. Es soll auch Kämpfer der als Terrororganisation eingestuften kurdischen Arbeiterpartei PKK daran hindern, in der Türkei Operationen durchzuführen. Außerdem soll Schmuggel verhindert werden.

Abschiebung - manchen ist sie zu teuer

Flüchtlinge, die es doch in die Türkei geschafft haben, werden registriert, einige werden abgeschoben. Viele lassen die Behörden aber auch einfach laufen, da die Abschiebung in die Heimatländer mit dem Flugzeug kostenintensiv ist.

Stattdessen hofft die Regierung in Ankara auf die abschreckende Wirkung einer Mauer. Der Menschenrechtsanwalt Kacan glaubt jedoch, dass für Menschen, die in ihren Heimatländern Hunger leiden, eine Mauer kein Hindernis sei. Sie fänden immer einen Weg.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Dezember 2020 um 16:47 Uhr.

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