Thailändische Sicherheitskräfte formieren sich gegen den regierungskritischen Protest in Bangkok. | AFP

Demonstration in Thailand Mit Gummigeschossen gegen den Protest

Stand: 20.03.2021 17:14 Uhr

In Bangkok haben thailändische Sicherheitskräfte Gummigeschosse und Tränengas gegen pro-demokratische Protestierende eingesetzt. Seit Juli fordern die Menschen auf Kundgebungen eine Verfassungsänderung und Reform der Monarchie.

Bei neuen Protesten gegen die Regierung und das Königshaus in Thailand ist es in Bangkok zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Die Sicherheitskräfte setzten Gummigeschosse, Tränengas und Wasserwerfer gegen die Protestierenden ein. Etwa tausend Menschen hatten sich in der Nähe des Königspalastes versammelt, um die Freilassung von Protestführern und eine Reform der Monarchie zu fordern. Dabei hätten sie eine vor dem Palast errichtete Barrikade durchbrochen und Molotow-Cocktails auf Polizisten geworfen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP.

Hunderte Sicherheitskräfte rückten gegen die Demonstrierenden vor und drängten sie zurück. "Wir werden jeden auf der Straße verhaften", sagte die Polizei über Lautsprecher, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Nach Angaben der Polizei kam es zu mehreren Festnahmen. Mindestens sechs Polizisten und elf Demonstranten seien zudem verletzt worden.

Proteste seit Juli

In Thailand kommt es seit Juli immer wieder zu Protesten, an denen sich vor allem junge Leute beteiligen. Sie richten sich gegen die vom Militär kontrollierte Regierung und zunehmend auch gegen das jahrzehntelang als unangreifbar geltende Königshaus. Die Demonstranten fordern eine Reform der Monarchie und die Abschaffung des Paragraphen 112 des thailändischen Strafrechts.

Dieser Paragraph verbietet jede Kritik am Königshaus und der Monarchie; er stellt Majestätsbeleidigung unter Strafe. Verstöße dagegen können mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft werden; die Behörden nutzen ihn oft, um gegen Kritikerinnen und Kritiker vorzugehen. Auch mehrere Aktivistinnen und Aktivisten der Protestbewegung sind derzeit unter dem Vorwurf Majestätsbeleidigung in Untersuchungshaft.

Premierminister: Kritik unangemessen und rechtswidrig

Nachdem eine für diese Woche geplante Neufassung der vom Militär unterstützten Verfassung nicht verabschiedet wurde, war es erneut zu Massenprotesten gekommen. "Wir fordern echte Demokratie und keine Regierung, die behauptet, dass sie gewählt wurde, obwohl sie der Armee angehört", sagte ein Demonstrationsteilnehmer der Agentur Reuters. "Die Welt hat sich verändert und wir wollen eine Monarchie wie in westlichen Ländern." Während des Protests riefen die Menschen: "Lasst unsere Freunde frei!"

Eine Polizeisprecherin bezeichnete die Proteste indes als illegal; sie verstießen gegen Gesetze zur Eindämmung des Coronavirus. Auch Thailands Premierminister Prayuth Chan-ocha verurteilte die Proteste: Kritik am König sei unangemessen und rechtswidrig. König Maha Vajiralongkorn soll zum Zeitpunkt der Auseinandersetzungen nicht in Bangkok gewesen sein. Er besuchte nach offiziellen Angaben die historische Stadt Ayutthaya, etwa 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. März 2021 um 17:00 Uhr.