Trauernde im Irak tragen einen Sarg mit einem der getöteten irakischen Soldaten  | AFP

Syrien und Irak Viele Tote bei IS-Angriffen

Stand: 21.01.2022 20:47 Uhr

Mehr als 70 Menschen sind bei zwei Angriffen der Terrormiliz IS ums Leben gekommen. In Syrien attackierten die Islamisten ein Gefängnis. Im Nachbarland Irak wurde ein Militärstützpunkt überfallen.

In Syrien und im Irak sind bei Angriffen der Terrormiliz "Islamischer Staat" mehr als 70 Menschen getötet worden. Im Nordosten Syriens attackierten IS-Kämpfer ein Gefängnis, um dort inhaftierte Dschihadisten zu befreien. Mehr als 20 kurdische Sicherheitskräfte und fast 40 IS-Mitglieder wurden dabei getötet, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.

Bei einem Überfall des IS auf einen Militärstützpunkt im Osten des Irak wurden elf Soldaten getötet. Die IS-Miliz nahm die Angriffe in Syrien und im Irak über ihr Propaganda-Sprachrohr Amaq für sich in Anspruch.

Syrien: Dutzende Häftlinge entkommen

Den Angriff auf das syrische Gefängnis Ghwajran in Hassakeh hatten IS-Kämpfer am Donnerstagabend gestartet. In der Haftanstalt sitzen rund 3500 mutmaßliche IS-Kämpfer, darunter auch führende Vertreter der Miliz. Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei den Kämpfen mindestens 23 kurdische Sicherheitskräfte und 39 IS-Kämpfer getötet. Dutzende Häftlinge seien entkommen. 

Ziel der Erstürmung des Gefängnisses in Hassakeh sei es gewesen, "die Häftlinge zu befreien", erklärten die Extremisten.

Die von kurdischen Kämpfern dominierte Miliz Demokratische Kräfte Syriens (SDF) nahm nach eigenen Angaben 89 Häftlinge kurz nach deren Ausbruch aus dem Gefängnis wieder fest. Nach einem Fluchtversuch in der Nacht war es demnach später zu einem "zweiten Massenausbruchsversuch von IS-Kämpfern" aus dem Gefängnis gekommen. 

Größter Angriff seit 2019

Die Kämpfe nahe der Anstalt dauerten heute an. Einige IS-Kämpfer hätten sich in Häusern in der Nachbarschaft verschanzt und Bewohner als menschliche Schutzschilde missbraucht, teilten die SDF mit.

Laut der Beobachtungsstelle, deren Angaben von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen sind, war es der größte Angriff dieser Art seit der Zerschlagung des "Kalifats" des IS im Jahr 2019. Seitdem tauchten die verbliebenen Kämpfer ab oder zogen sich an entlegenere Orte zurück. Die internationale Anti-IS-Koalition erklärte, die Dschihadistengruppe stelle nach wie vor "eine existentielle Bedrohung" in Syrien dar und es dürfe nicht zugelassen werden, dass die Miliz wieder an Stärke gewinne. 

IS-Kämpfer im Irak vor allem in ländlichen Gebieten

Der IS hatte 2014 weite Teile des Irak und Syriens unter seine Kontrolle gebracht. 2017 erklärte die irakische Regierung ihren Sieg über die extremistische Gruppierung.

Kleinere Gruppen von IS-Kämpfern sind aber vor allem in den ländlichen Gebieten nördlich von Bagdad und in den Provinzen Dijala und Salaheddin weiterhin aktiv. In einem UN-Bericht aus dem vergangenen Jahr wurde die Zahl der noch aktiven IS-Kämpfer im Irak und in Syrien auf insgesamt 10.000 veranschlagt.

Die IS-Präsenz im Osten Syriens, an der Grenze zum Irak, erstreckt sich vor allem auf Wüstengebiete, die unter halbautonomer kurdischer Verwaltung stehen. Bis 2017 stützte sich der Irak auf die von den USA angeführte Militärallianz, um den IS zu bekämpfen. Doch inzwischen muss die Regierung in Bagdad diese Aufgabe selbst bewältigen, weil die Militärkoalition ihren Kampfeinsatz eingestellt hat. Truppen der Koalition sind noch im Land, aber sie sind nur noch mit Übungs- und Beratungsarbeiten betraut.

Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass es sich bei den Attacken in Syrien und Irak um koordinierte Aktionen handelte. Experten werteten die Angriffe als Teil der Bemühungen des IS, seine Präsenz in beiden Ländern auszubauen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Januar 2022 um 23:00 Uhr.