Menschen in Tel-Aviv verfolgen die Selenskyj-Rede an die Knesset | dpa

Rede vor Knesset Selenskyj fordert mehr Hilfe aus Israel

Stand: 20.03.2022 23:02 Uhr

Der ukrainische Präsident Selenskyj hat in einer Rede vor der Knesset deutliche Kritik an der israelischen Regierung geübt. Gleichgültigkeit töte, so Selenskyj. Für Irritationen sorgten bei manchen Selenskyjs Worte über eine "Endlösung".

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Er sei sich sicher: Israel spüre den Schmerz der Ukraine, sagte Wolodimir Selenskyj in seiner Rede. Dann aber wurde er deutlich: Warum warte die Ukraine immer noch auf Hilfe aus Israel, während andere Länder bereits helfen? Gehe es da um Gleichgültigkeit oder politisches Kalkül? Gleichgültigkeit töte, sagte der ukrainische Präsident.

Benjamin Hammer ARD-Studio Tel Aviv

Israel leistet humanitäre Hilfe in der Ukraine und richtet dort in diesen Tagen ein eigenes Lazarett ein. Waffen liefert Israel jedoch nicht. Dies geschieht auch mit Blick auf das sensible Verhältnis zu Russland, das in Israels Nachbarland Syrien eine Militärmacht ist. Außerdem will Premierminister Naftali Bennett zwischen Moskau und Kiew vermitteln. Israel hat sich internationalen Sanktionen gegen Russland nicht angeschlossen. Auch das kritisierte Selenskyj - und lobte in seiner per Video übertragenen Rede Israels Raketenabwehrsystem. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass Israel dieses an die Ukraine liefert.

Selenskyj irritiert mit Äußerung über "Endlösung"

An einer Stelle sorgte der jüdische Präsident der Ukraine für Irritationen bei manchen Abgeordneten in Jerusalem. Russland nutze Wörter der Nazis, sagte Selenskyj und spreche von einer "Endlösung". Diese sei nun jedoch gegen die Ukraine gerichtet. Ein israelischer Minister sagte, er bewundere den ukrainischen Präsidenten. Die Geschichte des Holocaust könne aber nicht neu geschrieben werden.

Deutlicher wurde die nationale Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Zwar vermied sie es, den ukrainischen Präsidenten direkt zu nennen, teilte aber in einer Stellungnahme mit: Derartige unverantwortliche Äußerungen trivialisierten die historischen Fakten des Holocausts.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 20. März 2022 um 22:45 Uhr.