Mohammed bin Salman applaudiert am Rande des Formel-1-Rennens in Jeddah (Saudi-Arabien) im Dezember 2021 | Pool via REUTERS

Saudi-Arabien Der Kronprinz ist nun auch Premier

Stand: 28.09.2022 10:43 Uhr

Der Kronprinz von Saudi-Arabien, Mohamed bin Salman bekommt noch mehr Macht: Laut königlichem Dekret ist er jetzt auch der Premierminister seines Landes. Wegen der Energiekrise suchen westliche Länder wieder seine Nähe.

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman ist nun auch der Premierminister seines Landes. Er sei durch ein königliches Dekret mit dem Amt betraut worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur SPA.

Weitreichender Einfluss

Der Kronprinz und Thronfolger verfügt längst über weitreichenden Einfluss im Königreich und gilt als De-Facto-Machthaber. König Salman werde aber auch weiterhin als Vorsitzender der Kabinettstreffen fungieren, hieß es.

Sein Sohn betreut federführend das Projekt Vision 2030, in dessen Rahmen die saudische Wirtschaft umfassend reformiert werden und das Königreich seine Abhängigkeit von Öl beenden soll.

Verbindungen zum Mord an Khashoggi

Kronprinz Mohammed wird indes mit dem Mord am saudischen Journalisten und Dissidenten Jamal Khashoggi in Verbindung gebracht. Khashoggi war am 2. Oktober 2018 ins saudische Konsulat in Istanbul gegangen, um Dokumente für die Heirat mit seiner türkischen Verlobten Hatice Cengiz abzuholen. Er kam aber nie heraus.

Nach längeren Dementis räumte die Führung in Riad unter internationalem Druck ein, dass Khashoggi im Konsulat bei einem schiefgelaufenen Versuch getötet worden sei, ihn in seine Heimat zurückzubringen. Westliche Geheimdienste attestierten eine Beteiligung des Kronprinzen an dem Mord an dem saudischen Journalisten und Kritiker des Königshauses.

Kronprinz Mohammed hingegen pochte darauf, nichts über den Einsatz gewusst zu haben, den ihm direkt unterstellte Personen ausgeführt hatten.

Weltweit größter Ölexporteur

Mittlerweile suchen westliche Länder wieder die Nähe zu bin Salman. Das ist Teil ihrer Bemühungen, weniger abhängig von Energiequellen aus Russland zu werden.

So haben kürzlich Staats- und Regierungschefs wie US-Präsident Joe Biden, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und zuletzt Bundeskanzler Olaf Scholz den Kronprinzen und jetzt Ministerpräsidenten besucht, weil sein Land der weltgrößte Ölexporteur ist.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. September 2022 um 08:00 Uhr.