Eine Sputnik-V-Lieferung kommt in Venezuela an | AP

Russland und der Impfstoff Der Sputnik-Effekt

Stand: 10.03.2021 04:00 Uhr

Russland hat Probleme, den eigenen Impfstoff Sputnik V in alle Regionen zu bringen. Dennoch werden Millionen Dosen ins Ausland exportiert. Beobachter sehen dahinter das Streben nach Größe und mehr Einfluss.

Von Stephan Laack, ARD-Studio Moskau, zurzeit Köln

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen stellte Ende Februar die Frage, wie es sein könne, dass Russland anderen Ländern Millionen Dosen seines Corona-Impfstoffs Sputnik V anbiete und daheim nur langsam mit dem Impfen vorankomme. Wenige Tage später reagierte Präsident Wladimir Putin gereizt bei einer Sitzung des Inlandsgeheimdienstes FSB. Russland sei Opfer einer Desinformationskampagne, sagte der Kremlchef erbost und beschwerte sich über "die jüngsten Versuche, unsere Errungenschaften auf dem Gebiet der Medizin im Kampf gegen das Coronavirus in Frage zu stellen".

Stephan Laack

In der Tat hinkt Russland im internationalen Vergleich beim Impfen hinterher. Rund fünf Millionen Menschen wurde das Vakzin Sputnik V verabreicht. Die Impfskepsis unter den Russen ist hoch - nur 30 Prozent sind laut jüngsten Umfragen dazu bereit. Zudem gibt es Probleme mit der Versorgung der Regionen. Das musste auch Putin kürzlich zugeben:

Wir können stolz darauf sein, dass unsere Impfstoffe die sichersten und effektivsten der Welt sind. Dennoch gibt es Fragen zur Logistik, zur Organisation von Impfzentren. In einigen Regionen der Föderation, ich glaube in neun Regionen, haben sie noch gar nicht mit der Impfung begonnen.
Russischer Sputnik V Impfstoff wird in Venezuela angeliefert. | AFP

Flagge zeigen: In Venezuela kommen Container mit Impfstoff Sputnik V an und werden mit russischen Farben begrüßt. Bild: AFP

Führend in der Forschung

Was Russland aber nicht daran hindert, Sputnik V international zu vermarkten und auch im Ausland zu produzieren. Der Impfstoff ist ein willkommenes Mittel, um der Welt zu zeigen, dass an Russland auf dem Gebiet der Wissenschaft und Forschung kein Weg vorbei führt.

Sputnik V sei ein wichtiges Symbol nach Innen und nach außen, so der russische Politologe Alexej Lewinson in einem Interview mit "Radio Swoboda":

Insbesondere hier, in diesem Bereich, möchten wir dem Rest des Planeten voraus sein. Hier lässt sich erkennen, warum Putin wollte, dass der Impfstoff der allererste und wichtigste wird. Dies gilt nicht nur dafür, wo Russland jetzt steht, sondern auch dafür, dass Russland an glorreiche Zeiten der Sowjetunion anknüpfen möchte - der erste Sputnik-Satellit, die Besten beim Schach oder Ballett. Die Sehnsucht nach dieser Erstklassigkeit ist sehr stark, sie verbindet. Hier hat Putin die gleichen Gefühle wie ein sehr großer Teil der Russen.

Die Nachfrage ist groß

Die internationale Nachfrage ist gewaltig. Nach Angaben des russischen Investmentfonds, der für die Vermarktung zuständig ist, liegen Anfragen aus mehr als 50 Ländern vor. Auch die EU Arzneimittelbehörde EMA prüft nun die Zulassung von Sputnik V.

Viele Länder, die das russische Vakzin bestellt haben, beklagen allerdings Lieferengpässe. Dennoch dürfte man im Kreml mit Genugtuung zur Kenntnis genommen haben, dass EU-Staaten wie Ungarn oder zuletzt Tschechien und die Slowakei das EU-Zulassungsverfahren nicht abwarten wollten und auf den russischen Impfstoff setzen.

Einsatz mit patriotischen Begleittönen

Moskau habe die Corona-Pandemie von Anfang an auch genutzt, seinen Einfluss unter EU-Staaten auszuweiten, meint etwa der russische Politologe Konstantin Eggert und erinnert an Hilfskonvois für Italien. "Russland hat vom ersten Tag an, noch zu Beginn der Pandemie, versucht, in EU-Ländern Präsenz zu zeigen. Sie erinnern sich sicher an diese Kolonnen des russischen Katastrophenschutzes in Italien und wie dann die Bilder davon mit der russischen Hymne unterlegt wurden."

Gestern wurde bekannt, dass in Italien das erste Werk innerhalb der EU zur Produktion von Sputnik V entstehen soll. Und Putins Sprecher Dmitry Peskow wies Kritik von Seiten der EMA an einer Nutzung von Sputnik V bereits vor der Zulassung durch die EU-Behörde zurück. "Die Tatsache, dass dies einer der beliebtesten und vertrauenswürdigsten Impfstoffe der Welt ist, kann weltweit niemand bezweifeln. Die Nachfrage nach diesem Impfstoff und der Impfprozess in vielen Ländern mit diesem Medikament belegt, wie gefragt und beliebt unser Impfstoff ist."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. März 2021 um 07:50 Uhr.