Ein Covid-19-Impfstoff | AFP

CoviVac Russland gibt dritten Impfstoff frei

Stand: 20.02.2021 12:56 Uhr

Sputnik V, EpiVacCorona und nun CoviVac: In Russland hat der dritte Impfstoff die Freigabe erhalten. Schon ab Mitte März soll das Vakzin zum Einsatz kommen. Dabei liegen umfangreiche klinische Studien dazu noch nicht vor.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat Russland einen dritten Impfstoff freigegeben. Wie Premierminister Michail Mischustin mitteilte, sollen bereits Mitte März die ersten 120.000 Dosen des Vakzins CoviVac ausgeliefert werden. Gleichzeitig soll die dritte klinische Studienphase mit 3000 Freiwilligen laufen.

Der Wirkstoff wurde am Tschumakow-Forschungszentrum für immunobiologische Präparate der Russischen Akademie der Wissenschaften entwickelt und funktioniert auf Basis eines inaktivierten Virus. Bis Jahresende sollen 20 Millionen Dosen produziert werden. Umfangreiche klinische Studien liegen dazu aber noch nicht vor. Die Wirksamkeit soll laut Zwischenergebnissen bei mehr als 90 Prozent liegen. Die Tests seien aber noch nicht abgeschlossen, hieß es.

Sputnik V und EpiVacCorona

"Russland ist heute das einzige Land, das bereits drei Impfstoffe hat", lobte Premier Mischustin. Als erstes Land hatte Russland schon im August einen ersten Corona-Impfstoff - Sputnik V - zugelassen. Im Oktober teilte Präsident Wladimir Putin mit, dass ein zweites Vakzin - EpiVacCorona - zum Einsatz kommen werde. Sputnik V wurde inzwischen in mehr als 20 Ländern zugelassen. Zunächst war dieser Impfstoff international mit Skepsis aufgenommen. Kürzlich wurde seine Wirksamkeit aber von dem renommierten Wissenschaftsmagazin "Lancet" bestätigt.

In Russland selbst haben erst etwas mehr als 2,2 Millionen Menschen mindestens eine von zwei notwendigen Injektionen bekommen. Das entspricht etwa 1,5 Prozent der Bevölkerung des riesigen Landes. Daran hatte es vielfach Kritik gegeben, zuletzt von der EU. "Wir erhöhen ständig das Tempo der Impfstoffproduktion", sagte Mischustin. Es seien bereits mehr als zehn Millionen Dosen von Sputnik V hergestellt worden. Zudem lägen 80.000 Dosen von EpiVacCorona vor. Nach früheren Angaben soll der Wirkstoff im nächsten Monat in Russland zum Einsatz kommen.

Mikhail Mishustin |

Der russische Premier Mischustin kündigte an, das Tempo der Impfstoffproduktion zu erhöhen.

Hohe Übersterblichkeit

Vizeregierungschefin Tatjana Golikowa zufolge wird Sputnik V an sieben Standorten hergestellt. Drei weitere seien in Vorbereitung. Sie forderte, dass noch mehr Menschen über 65 Jahre mit den Vakzinen vor einer Erkrankung geschützt werden sollten. Bislang hat sich der 68 Jahre alte Kremlchef Putin noch nicht gegen Corona impfen lassen.

Laut den aktuellen Statistiken wurden in Russland bislang 4,1 Millionen Corona-Infektionen registriert. Bis zum 31. Dezember 2020 gab es laut dem amtlichen Statistikamt 162.000 Covid-19-Todesfälle. Eine aktuellere Statistik, die allerdings lediglich Todesfälle mit anschließender Autopsie berücksichtigt, wies am Mittwoch rund 82.400 Covid-19-Tote aus. Gleichzeitig wurde in Russland im vergangenen Jahr eine hohe Übersterblichkeit verzeichnet. Nach Angaben des Statistikamtes starben allein von Januar bis November 2020 rund 229.700 Menschen mehr als im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einer Übersterblichkeit von mehr als 13 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in den Nachrichten am 20. Februar 2021 um 12:00 Uhr.