Ferdinand "Bongbong" Marcos Jr. gibt seine Stimme bei den Präsidentenwahlen auf den Philippinen ab. | REUTERS

Präsidentenwahl auf den Philippinen Diktatorensohn gilt als Favorit

Stand: 09.05.2022 04:47 Uhr

Auf den Philippinen hat die Präsidentenwahl begonnen. Die größten Chancen auf das Amt in dem südostasiatischen Inselstaat werden Ferdinand "Bongbong" Marcos Jr. zugeschrieben - er ist der Sohn des ehemaligen Diktators.

Auf den Philippinen hat die Präsidentenwahl begonnen. Rund 67 Millionen Bürger sind zur Wahl eines Nachfolgers für das scheidende Staatsoberhaupt Rodrigo Duterte aufgerufen. Als großer Favorit gilt der Sohn des 1989 gestorbenen langjährigen Diktators Ferdinand Marcos. In den letzten Umfragen lag Ferdinand "Bongbong" Marcos Jr. deutlich vorne. Gewinnt er, so würde seine Familie 36 Jahre nach ihrer Vertreibung in den Malacañang-Palast in der Hauptstadt Manila zurückkehren.

An zweiter und dritter Stelle lagen in den Umfragen die derzeitige Vizepräsidentin und Menschenrechtsanwältin Leni Robredo und der frühere Box-Weltmeister Manny Pacquiao.

Duterte-Tochter kandidiert mit Marcos Jr.

Insgesamt bewerben sich neun Kandidaten und eine Kandidatin um das Amt. Es gewinnt, wer die meisten Stimmen auf sich vereinen kann. Gewählt wird der Präsident für sechs Jahre. Neben dem Staatsoberhaupt stehen auch zahlreiche Parlamentsabgeordnete sowie Kandidatinnen und Kandidaten für Tausende politische Posten auf regionaler und kommunaler Ebene zur Wahl. Die Wahllokale sind von 6.00 bis 19.00 Uhr (0.00 bis 13.00 Uhr MESZ) geöffnet. Erste Ergebnisse werden noch am Wahlabend oder am Dienstagmorgen erwartet. Polizei und Militär waren in Bereitschaft, weil Wahlen auf den Philippinen häufig von Gewalt und Betrugsvorwürfen überschattet werden.

Duterte hat den Wahltag zum Feiertag erklärt, damit möglichst viele Menschen abstimmen können. Der Politiker ist wegen seines extrem harten Kampfs gegen Drogenkriminalität umstritten und darf laut Verfassung nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren. Seine Tochter Sara Duterte-Carpio, derzeit Bürgermeisterin der Millionenstadt Davao im Süden des Landes, kandidiert an der Seite von Ferdinand "Bongbong" Marcos Jr. als Vizepräsidentin.

Mord und Folter unter Marcos-Diktatur

Politische Beobachter warnen, dass der südostasiatische Inselstaat unter der Führung des 64-jährigen Marcos in eine noch autoritärere Richtung steuern könnte. Das Marcos-Regime unter Ferdinand (1917-1989) und seiner exzentrischen Frau Imelda (heute 92) machte einst mit Mord, Folter und dem spurlosen Verschwinden politischer Gegner von sich reden. Die beiden sollen im Laufe der Jahre auch Milliardensummen aus der Staatskasse abgezweigt haben. Als Marcos 1986 gestürzt wurde und das Paar die Philippinen Richtung USA verlassen musste, sollen in Imeldas Schränken Tausende Paar Designerschuhe, mehr als 800 Handtaschen und rund 500 Abendroben gefunden worden sein.

Ende 2016 wurde Marcos auf dem Heldenfriedhof der Philippinen in Manila beigesetzt - 27 Jahre nach seinem Tod auf Hawaii. Frühere Präsidenten hatten dies stets abgelehnt. Duterte, der seit 2016 im Amt ist, werden aber enge Verbindungen zur Familie Marcos nachgesagt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Mai 2022 um 08:00 Uhr.