Peng Shuai | AP

Tennisspielerin Peng Shuai "Alles ein großes Missverständnis"

Stand: 07.02.2022 08:01 Uhr

Die chinesische Tennisspielerin Peng hat erneut bestritten, einen Ex-Vizepremier der sexuellen Nötigung beschuldigt zu haben. Das sagte sie einer französischen Zeitung. Unklar ist weiter, welcher Druck auf sie ausgeübt wurde.

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Es war das erste Interview der 36-jährigen Tennisspielerin mit einem nicht-chinesischsprachigen Medium seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe Anfang November. Es handle sich um ein "großes Missverständnis", so Peng Shuai. Den Post im Internet habe sie selbst gelöscht. Sie sei außerdem nie verschwunden gewesen.

Benjamin Eyssel ARD-Studio Peking

Peng hatte im Online-Dienst Weibo dem Ex-Vize-Regierungschef Zhang Gaoli vorgeworfen, sie zum Sex überredet zu haben. Der Post wurde 30 Minuten später gelöscht - Beobachter gehen davon aus, dass chinesische Internetzensoren dafür verantwortlich sind.

Anschließend verschwand Peng für mehrere Wochen aus der Öffentlichkeit. Im Ausland zeigten sich viele um die Tennisspielerin besorgt. Bei Twitter fragten Tausende unter dem Hashtag #whereispengshuai, wo sie sei.

Inszenierte Auftritte, um Vorwürfe zu entkräften?

Mit offensichtlich inszenierten öffentlichen Auftritten der 36-jährigen versuchte die chinesische Staats- und Parteiführung die Vorwürfe zu entkräften.

In der Kritik stand auch der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach. Nach einem Videotelefonat Bachs mit der Tennisspielerin im November teilte das IOC mit, Peng sei wohlauf.

Persönliches Treffen mit IOC-Chef Bach

Jetzt am Samstag hat sich Peng mit Bach persönlich getroffen, die beiden sollen in Peking zu Abend gegessen haben. Dabei habe sie angekündigt, nach Europa reisen zu wollen, wenn die Pandemielage es zulasse, teilte das IOC mit. Auch ein Besuch beim IOC in der Schweiz sei geplant.

Man wolle keine Bewertung vornehmen, ob sie ihre Vorwürfe aus freien Stücken zurückgenommen habe, sagte IOC-Sprecher Mark Adams. "Wir als Sportorganisation tun alles dafür, um sicherzustellen, dass sie glücklich und zufrieden ist. Es ist nicht unsere Aufgabe, und es ist nicht Ihre Aufgabe zu bewerten, wie ihre Position einzuschätzen ist."

In dem heute veröffentlichten Interview sagte die Tennisspielerin auch, dass ihre Profikarriere vermutlich zu Ende sei. Mit Blick auf ihr Alter, ihre Knie-Probleme und die Corona-Pandemie sei es nur sehr schwer vorstellbar, dass sie noch einmal ihr früheres Niveau erreiche.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nachrichten am 07. Februar 2022 um 06:00 Uhr.