Xi Jinping vor einer Skisprunganlage (Archivbild 19.01.2021) | picture alliance/dpa/XinHua

Winterspiele in Peking Nach Olympia ist vor Olympia

Stand: 09.08.2021 09:03 Uhr

Schon im Februar geht es mit Olympia weiter - mit den Winterspielen in Peking. Debatten über eine Absage gibt es in China nicht. Kritiker erwarten, dass die Regierung eine nationalistische Hochglanzshow plant.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Die Covid19-Pandemie wird bis Februar nicht ausgestanden sein, doch Chinas Staats- und Parteiführung wird die Winterspiele in der Hauptstadtregion Peking in jedem Fall durchziehen. Denn Olympia ist für die kommunistische Führung eine hochpolitische Angelegenheit. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei rief alle chinesischen Athleten in einer Erklärung auf, noch hartnäckigere Anstrengungen zu unternehmen, um die Stärke des chinesischen Leistungssports weiter auszubauen. Die Sportlerinnen und Sportler werden aufgerufen, sich "von den Gedanken von Staatschef Xi Jinping leiten zu lassen".

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Absage der Spiele steht nicht zur Debatte

Daran lässt sich erkennen: Anders als in Japan findet eine gesellschaftliche oder gar politische Debatte über eine mögliche Absage der Olympischen Spiele nicht statt. Kritikerinnen und Kritiker der kommunistischen Führung  rechnen damit, dass diese die Winterspiele nutzen wird, um eine nationalistische Hochglanzshow abzuziehen. Hanno Schedler von der Gesellschaft für bedrohte Völker erklärt: "Wir gehen davon aus, dass die chinesische Regierung - also die Kommunistische Partei - diese Spiele nutzen wird, um ein erstarktes China zu präsentieren, in dem Harmonie herrscht, in dem die verschiedenen Völker friedlich zusammenleben. Und das ist eben nicht der Fall."

Rufe nach politischem Boykott

Angesichts der katastrophalen Menschenrechtssituation in China werden weltweit die Rufe nach einem politischen Boykott der Spiele lauter, vor allem in Ländern, die bei den Winterspielen traditionell gut abschneiden: Dazu gehören die skandinavischen Staaten, die USA und Kanada.

Protest regt sich vor allem wegen der systematischen Unterdrückung der Uiguren im Landesteil Xinjiang, Menschenrechtler sprechen von einem "kulturellen Genozid". Verwiesen wird auch auf die Lage in Hongkong. Chinas Staats- und Parteiführung hat entgegen internationaler Verträge Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit in Hongkong in den vergangenen Jahren stark beschnitten.

Chinas Staatsführung weist Boykottaufrufe naturgemäß zurück. Am Freitag wurde in Tokio auch der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, zur Situation der Uiguren in China gefragt. Er wollte sich nicht äußern. Eine entsprechende Frage eines Reporters der Nachrichtenagentur AP blockte IOC-Sprecher Mark Adams ab.

Einreise nach China noch unklar

Viele Politikerinnen und Politiker aus westlichen Staaten dürften die weiter angespannte Corona-Lage als Vorwand nehmen, um auf eine Reise zu den Winterspielen in Peking zu verzichten. Offen ist allerdings, wie Athleten, Verbandsleute, Journalisten, Techniker, Sponsoren und Sportfans Anfang nächsten Jahres überhaupt nach China einreisen können.

Denn das Ausgangsland der Covid19-Pandemie hält seit rund anderthalb Jahren die Grenzen so gut wie geschlossen. Wer es schafft, ein Einreisevisum zu bekommen, muss für drei Wochen in ein zugewiesenes Quarantäne-Hotel. Dass sich das bis zum Start der Winterspiele am 4. Februar grundsätzlich ändert, ist unwahrscheinlich. Fragen danach werden von den Veranstaltern in China und vom IOC in Lausanne nicht beantwortet. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erwartet, dass die coronabedingten Restriktionen bei den Winterspielen in Peking noch härter sein dürften als in Tokio.

Über dieses Thema berichtete BR24 im Hörfunk am 09. August 2021 um 09:20 Uhr.