Eine Nachrichtensendung die über Militärübungen in Nordkorea mit einem Archivbild berichtet wird auf einem Monitor im Seouler Bahnhof gezeigt (Archivbild).  | dpa

Angaben Südkoreas Nordkorea feuert wieder Raketen ab

Stand: 02.11.2022 05:37 Uhr

Erst drohte Nordkorea den USA und Südkorea kaum verhüllt mit dem Einsatz von Atomwaffen, dann flogen fast ein Dutzend Raketen, von denen eine in der Nähe der Seegrenze einschlug. Südkorea reagierte prompt.

Nordkorea hat nach südkoreanischen Angaben rund ein Dutzend Raketen abgefeuert. Der Generalstab in Seoul hatte zunächst drei ballistische Kurzstreckenraketen gemeldet, die von der im Osten Nordkoreas gelegenen Küstenstadt Wonsan aus abgeschossen worden seien. Kurz darauf berichtete Südkorea von mehr als zehn weiteren Raketen unterschiedlicher Modelle, die gen Ost- und Westküste der koreanischen Halbinsel geflogen seien.

Dabei sei auch eine nordkoreanische Rakete erstmals seit dem Ende des Koreakriegs (1950-53) in die Nähe der Hoheitsgewässer Südkoreas ins Meer gestürzt.

Die Rakete landete nach Militärangaben nur 57 Kilometer östlich des südkoreanischen Festlands. Dieser Umstand sei "sehr selten und nicht hinnehmbar". Südkoreas Präsident Yoon Suk Yeol nannte den Vorfall in einer von seinem Büro verbreiteten Erklärung ein "faktisches Eindringen" Nordkoreas in südkoreanisches Gebiet. 

Evakuierungsaufforderung für die Insel Ulleungdo

Kurz darauf erklärte das südkoreanische Militär, es habe drei Luft-Boden-Raketen in Richtung der Stelle nahe der Seegrenze abgefeuert, an der die nordkoreanische Rakete gelandet war. Die Seegrenze war zum Ende des Koreakriegs im Jahr 1953 von einer US-geführten UN-Truppe gezogen worden, sie wurde von Pjöngjang jedoch nie anerkannt. An ihr kam es im Laufe der Jahre wiederholt zu Vorfällen zwischen beiden koreanischen Staaten.

Im südkoreanischen Fernsehen wurde nach dem Raketenabschuss durch den Norden eine Evakuierungsaufforderung für die östlich der koreanischen Halbinsel gelegene Insel Ulleungdo veröffentlicht. Zudem wurde Luftalarm für die Insel ausgerufen. Die Bewohner Ulleungdos wurden aufgefordert, sich in den "nächstgelegenen unterirdischen Schutzraum" zu begeben. Japan bestätigte ebenfalls den Abschuss mutmaßlicher ballistischer Raketen durch Nordkorea, die japanische Küstenwache rief Schiffe zur Wachsamkeit auf. Regierungschef Fumio Kishida sagte vor Journalisten, er wolle so bald wie möglich eine "nationale Sicherheitssitzung" einberufen.

Ungewohnt hohe Frequenz an Raketentests

UN-Resolutionen verbieten Nordkorea die Erprobung von ballistischen Raketen. Diese können je nach Bauart auch einen Atomsprengkopf tragen. Die jüngsten Raketentests Nordkoreas erfolgten inmitten erhöhter Spannungen in der Region.

Die Tests Nordkoreas wurden in Südkorea als Reaktion auf ein laufendes Luftwaffenmanöver der südkoreanischen und US-amerikanischen Streitkräfte gesehen.

Seit Ende September hat Nordkorea in ungewohnt hoher Frequenz Raketentests durchgeführt, zuletzt am vergangenen Freitag. Damit sollte laut Eigenaussage der Regierung auch der Beschuss von Flugplätzen in Südkorea mit taktischen Nuklearwaffen simuliert werden.