Kim Jong Un | dpa

Corona in Nordkorea Infektionsgeschehen breitet sich rasant aus

Stand: 16.05.2022 11:43 Uhr

In Nordkorea sind acht weitere Todesfälle gemeldet worden, die offenbar im Zusammenhang mit dem Corona-Ausbruch im Land stehen. Seit Ende April erkrankten mehr als 1,2 Millionen Menschen. Nun soll das Militär eingreifen.

Der Corona-Ausbruch in Nordkorea greift offenbar weiter um sich. Die Staatsmedien meldeten unter Berufung auf eine zuständige Behörde acht neue Todesfälle und Hunderttausende weitere Fälle mit Fiebersymptomen. Seit Beginn des Ausbruchs Ende April seien mehr als 1,2 Millionen Menschen erkrankt, rund 564.860 befänden sich aktuell in Quarantäne. Mit den acht neuen Sterbefällen innerhalb von 24 Stunden stieg die Zahl der Toten auf bisher 50.

Unklar ist, wie viele sogenannte Fieber- und Todesfälle nachweislich auf Covid-19 zurückgehen. Vergangene Woche hatte das Land mehr als zwei Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie eingeräumt, dass erste Fälle der Omikron-Variante des Virus bestätigt worden seien.

Militär soll Medikamentenversorgung "stabilisieren"

Machthaber Kim Jong Un ordnete an, dass das Militär die Medikamentenversorgung in der Hauptstadt Pjöngjang "sofort stabilisieren" solle, wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA berichtete. Kim sagte, der Ausbruch habe "große Unruhe" in dem Land verursacht. 

Scharfe Kritik übte Kim am Umgang seiner Gesundheitsbehörden mit der Pandemie. Apotheken würden nicht rechtzeitig mit Medikamenten beliefert, was an einer "unverantwortlichen Arbeitseinstellung" und mangelnden Organisation der zuständigen Funktionäre liege, sagte Kim laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Die Reaktion auf den Ausbruch sei stümperhaft. Der Machthaber beanstandete demnach insbesondere, dass die Apotheken nicht rund um die Uhr geöffnet sind.

Das Politbüro hatte per Notfallerlass eine sofortige Freigabe und schnelle Verteilung von Medikamenten aus den staatlichen Reserven angeordnet, um einer "explosiven" Ausbreitung eines "Fiebers" Herr zu werden. Apotheken sollen im Schichtsystem rund um die Uhr geöffnet sein.

Kim beklagt schlechten Zustand der Apotheken

Diese Maßnahmen würden aber nicht richtig umgesetzt, wurde Kim von KCNA zitiert. Bei einer neuen Dringlichkeitssitzung des Politbüros ordnete er an, dass militärisches Medizinpersonal in die Versorgung mit Medikamenten eingebunden werde. Nach der Sitzung stattete Kim Apotheken in einem Bezirk Pjöngjangs für eine Inspektion einen Besuch ab. Dort beklagte der Staatschef, dass die meisten Einrichtungen in einem schlechten Zustand seien. An Lagerräumen mangele es ebenfalls, einige Apotheker trügen zudem nicht die standesgemäßen weißen Kittel.

Laut KCNA wurde für alle Provinzen und Städte ein "völliger Lockdown" angeordnet. Nordkorea hatte Anfang 2020 seine Grenzen abgeriegelt, um sich vor der Pandemie zu schützen.

Südkorea bietet Hilfe an

Sollte Nordkorea den Ausbruch nicht schnell in den Griff bekommen, drohen dem Land nach Einschätzung von Experten gravierende Folgen. Das Gesundheitssystem gilt als rudimentär, die Bevölkerung als nahezu ungeimpft, der Ernährungszustand der 26 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner außerdem als schlecht. Gegen eine Annahme der über das UN-Beschaffungsprogramm Covax angebotenen Vakzine hat sich die Führung in Pjöngjang bisher gesträubt. Ein solcher Schritt wäre mit internationalen Kontrollen verbunden. Auch Hilfsangebote anderer Länder hatte Kim bislang stets abgelehnt.

Nach den Meldungen über den Omikron-Ausbruch boten sowohl die Regierung in Peking als auch Südkorea der Führung in Pjöngjang erneut Impfstoffe an. "Wenn die nordkoreanischen Behörden zustimmen, werden wir nicht an der notwendigen Unterstützung sparen", sagte Südkoreas Präsident Yoon Suk Yeol und stellte unter anderem Impfstoffe sowie medizinische Hilfsgüter und Personal in Aussicht. Pjöngjang reagierte nach Angaben des Vereinigungsministeriums in Seoul bislang nicht auf das jüngste Angebot.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Mai 2022 um 07:39 Uhr.