Soldaten der Armee Myanmars gehen in Yangon gegen Demonstranten vor | REUTERS

Myanmars Militär Folter und Mord gegen das eigene Volk

Stand: 23.03.2021 10:17 Uhr

Angst: Auf dieses Mittel setzt Myanmars Militär angesichts des anhaltenden Widerstands im Land gegen den Putsch, und dabei schreckt es vor nichts zurück. Die Demonstranten wehren sich mit Phantasie und Zusammenhalt.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Südostasien

Wenn ein Teehaus, ein Ort des Austauschs und der Erfrischung, nicht mehr sicher ist, weil prügelnde Soldaten auf Frauen, Kinder und alte Männer einschlagen. Wenn der Blick aus dem eigenen Fenster genügt, um einen in Angst und Verzweiflung zu stürzen, weil draußen am helllichten Tag Polizisten willkürlich Menschen verletzen. Wenn Tempel oder sogar Krankenhäuser, Geburtsstationen und Notaufnahmen nicht mehr sicher sind, weil Soldaten mit scharfer Munition auf die Gebäude schießen, Krankenhausgelände stürmen oder Sanitäter daran hindern, Verletzte zu versorgen. Wenn mehr als 250 unbewaffnete Menschen bisher getötet worden sind, oft gezielt mit Kopfschüssen umgebracht, während sie friedlich für Demokratie und Freiheit demonstrierten - dann hat das Militär ein Ziel erreicht: Es hat Schrecken verbreitet.

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

Am 1. Februar haben Myanmars Generäle die Macht ergriffen, seitdem versuchen sie mit allen verfügbaren Mitteln, diese Macht zu behalten. Als erstes stellten sie alle Sender ein, nur das staatliche Fernsehen und der Sender des Militärs berichten noch, neben Unterhaltungssendern. Anderen Zeitungen und Sendern wurden die Lizenzen entzogen. "Also ist die Frage: Machen wir weiter", sagt Swe Win, Herausgeber des Nachrichtenportals Myanmar Now, "und riskieren dafür nicht nur im Gefängnis zu landen, sondern wir riskieren Folter - uns droht der Tod." 

Swe Win hat kürzlich einen Bericht über einige Menschen, die bei den nächtlichen Razzien festgenommen wurden, veröffentlicht. "Und am nächsten Morgen riefen die Polizei oder die Soldaten die Familien an und sagten: 'Okay, ihr könnt jetzt die Leichen eurer Liebsten abholen kommen.'"

 Die Angst ist allgegenwärtig

Niemand könne mehr schlafen, erzählen Menschen in Myanmar, die anonym bleiben möchten: Die Angst ist zu groß, dass nachts Soldaten in die eigene Wohnung eindringen, in die der Nachbarn, der Freunde, und die Menschen einfach mitnehmen. Oder sie schießen einfach in die Wohnungen hinein, durch die Fenster, töten dabei schlafende Kinder und Mütter.

"Dieser Grad von Grausamkeiten ist noch nie da gewesen. Und wir wissen nicht mal, wie diese militärischen Anführer denken", so Swe Win.

Das Militär hat sich verkalkuliert

Sie haben auf jeden Fall nicht mit diesem Maß von Widerstand gerechnet - gegen die tagtägliche Angst trommeln und singen die Menschen sich Mut zu. Jeden und jeden Tag wieder gehen sie auf die Straße, treffen sich zu Mahnwachen, teilen ihre Erlebnisse, auch über die sozialen Medien. Selbst wenn sie sich damit wieder in Gefahr begeben, denn Handys werden konfisziert und kontrolliert, einfach so, im Bus, auf der Straße.

Dennoch versuchen die Gegner des Militärs, durch Boykott der Waren von militärnahen Firmen und durch die Schließung von Privatbanken, der Armee das Geld zu entziehen. Während sie selbst auch Hunger leiden - Myanmar war nie reich.

Aber die Demonstranten sind reich an Stärke, Einfallsreichtum und Zusammenhalt, auch gegen die Angst.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. März 2021 um 08:25 Uhr.