Eine Frau im Dschungelgebiet in Demoso im Bundesstaat Kayah. | AFP

Kämpfe in Myanmar UN warnen vor Massensterben

Stand: 09.06.2021 18:17 Uhr

Die humanitäre Lage in Myanmar wird immer schlechter: Der UN-Sonderberichterstatter Andrews warnt vor einem "Massensterben" in der Bevölkerung durch Hunger und Krankheit. 100.000 Menschen sind auf der Flucht.

Wegen der anhaltenden Kämpfe zwischen Rebellengruppen und der Militärjunta in Myanmar hat Tom Andrews, UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in dem südostasiatischen Land, vor einem "Massensterben" der Bevölkerung durch Hunger und Krankheiten gewarnt. Die "brutalen, wahllosen Angriffe der Junta" bedrohten das Leben vieler Menschen im östlichen Kayah-Staat, schrieb Andrews auf Twitter.

"Lassen Sie mich ganz offen sein: Ein Massensterben in einem Ausmaß, das wir noch nicht gesehen haben, könnte im Kayah-Staat eintreten, wenn nicht sofort gehandelt wird", erklärte Andrews.

In den vergangenen Wochen waren die Zusammenstöße im Bundesstaat Kayah nahe der thailändischen Grenze eskaliert. Einheimische beschuldigten die Armee, Granaten auf Dörfer gefeuert zu haben. Die UN gehen von schätzungsweise 100.000 Vertriebenen aus. Sie sollen von der Junta "von der Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten abgeschnitten worden" sein, so Andrews weiter.

Mehr als 800 Tote seit Putsch

Seit dem Militärputsch gegen die De-Facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi Anfang Februar herrscht in Myanmar Chaos. Die Armee geht mit brutaler Gewalt gegen Demonstranten vor, die eine Rückkehr zur Demokratie fordern. Nach Angaben von Aktivisten wurden seit dem Putsch mehr als 800 Zivilisten getötet. In vielen Orten, an denen Demonstranten durch Polizeigewalt getötet wurden, bildeten Einwohner inzwischen "Verteidigungsgruppen" gegen die Armee.

Immer wieder Angriffe auf Kirchen

Der Administrator des Bistums Loikaw, Celso Ba Shwe, forderte ein sofortiges Ende von Angriffen auf Kirchen. Kirchen und Klöster hätten ihre Türen für Menschen aller Religionen als Schutzort vor den eskalierenden Kämpfen in Kayah und im benachbarten Shan-Staat geöffnet, zitiert ihn der asiatische Pressedienst Ucanews. Angriffe auf Gotteshäuser seien gemäß der Haager Konvention Kriegsverbrechen, so Shwe.

Arbeitsverbot für Ärzte ohne Grenzen

Derweil schlug die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen Alarm. Die Behörden in der Region Tanintharyi im Süden Myanmars forderten die Organisation auf, alle Aktivitäten vor Ort einzustellen. "Unsere Arbeit einzustellen könnte für die Patienten lebensbedrohlich sein, wenn zugleich die öffentliche Gesundheitsversorgung stark eingeschränkt ist", sagte Adrian Guadarrama, Programmleiter von Ärzte ohne Grenzen in Genf. 

Teams der Organisation sind dort seit fast 20 Jahren aktiv und versorgen aktuell 2162 Patienten mit HIV sowie Tuberkulose, wie Ärzte ohne Grenzen mitteilte. Der Arbeitsstopp erhöhe auch das Risiko, dass sich diese Krankheiten weiterverbreiteten, warnte die Organisation.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Juni 2021 um 16:00 Uhr.