Ein Bauer in Afghanistan | via REUTERS

Dürre in Afghanistan Müller warnt vor "humanitärer Katastrophe"

Stand: 13.09.2021 08:57 Uhr

Bundesentwicklungsminister Müller hat kurz vor einer UN-Hilfskonferenz für Afghanistan vor einer humanitären Katastrophe in dem Land gewarnt. Zur Bekämpfung von Hunger und Krankheit forderte er einen UN-Hilfsfonds von zehn Milliarden Euro.

Vor der UN-Hilfskonferenz für Afghanistan in Genf hat Entwicklungsminister Gerd Müller eine grundlegende Reform der internationalen Nothilfe gefordert. "Mit einem UN-Nothilfe- und Krisenfonds von zehn Milliarden Euro könnten wir vorausblickend weltweit Tod durch Hunger und fehlende Medikamente verhindern", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Dürre, Pandemie und jetzt noch die Taliban

Das System der internationalen Hilfe müsse sich verändern - weg von der Krisenintervention hin zur Krisenprävention. "Es kann nicht sein, dass erst gestorben werden muss. Es gilt, vorsorgend zu investieren." In Afghanistan baue sich eine humanitäre Katastrophe auf, warnte Müller. "Die Menschen leiden nicht nur unter der gewaltsamen Machtübernahme der Taliban. Dazu kommt eine schwerwiegende Dürre. Und die Corona-Pandemie grassiert mit ungebremster Wucht."

Schon jetzt sei fast die Hälfte der Bevölkerung auf Hilfe angewiesen. "In den kommenden 12 Monaten werden voraussichtlich die Hälfte der Kinder unter fünf Jahren akut unterernährt sein." Aber der humanitäre Bedarf für Afghanistan sei nur zu 40 Prozent gedeckt. "Die internationale Gemeinschaft muss jetzt schnell handeln und alles tun, um die Grundversorgung der afghanischen Bevölkerung aufrecht zu erhalten", forderte der Entwicklungsminister.

Bundesaußenminister Heiko Maas, der ebenfalls an der Sitzung teilnimmt, betonte aber, ein über reine Nothilfe hinausgehendes Engagement in Afghanistan stehe weiter nicht zur Debatte. "Allein das Handeln der Taliban wird darüber entscheiden, ob diese Linie in Zukunft angepasst werden kann. Unsere Erwartungen haben wir klar und deutlich formuliert", so der SPD-Politiker.

"Krisen besser vorbeugen"

Die Weltgemeinschaft dürfe aber auch die anderen Weltkrisen - Jemen, die Sahel-Region und den Krisenbogen um Syrien - nicht aus den Blick verlieren, betonte Müller. Allerdings mangele es bei den Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen an verlässlicher und vorausschauender Finanzierung. "Die Weltgemeinschaft steht an einem Scheideweg: Die Weichen bei den UN zu stellen, dass die Staatengemeinschaft Krisen besser vorbeugen kann oder unkontrollierte Flucht und millionenfaches Leid weiter zu akzeptieren", so Müller.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. September 2021 um 14:00 Uhr.