Screenshot von einem Video: Zwei Männer schauen auf zwei Tote Robben am Kaspischen Meer | AP

Russische Teilrepublik Dagestan 2500 Robben am Kaspischen Meer verendet

Stand: 05.12.2022 16:07 Uhr

Wegen Verschmutzung, Überfischung und Wilderei sterben jedes Jahr viele Robben am Kaspischen Meer. In diesem Jahr ist das Massensterben so schlimm wie lange nicht. Die Ursache ist noch unklar.

Etwa 2500 tote Robben sind am Kaspischen Meer in der russischen Teilrepublik Dagestan gefunden worden. Die Ursache für das größte Massensterben seit zehn Jahren ist unklar. Wissenschaftler würden die Kadaver der geschützten Tiere im Nordkaukasus derzeit obduzieren, sagte die Leiterin der russischen Naturschutzbehörde Rosprirodnadsor, Swetlana Radionowa, im Moskauer Fernsehkanal Rossija-24. Es gebe Hinweise darauf, dass die Tiere an Sauerstoffmangel verendet seien.

Laut der Beamtin könnte austretendes Gas zu der Katastrophe geführt haben. Die Tiere könnten also erstickt sein. Es gebe keine Anzeichen äußerer Gewaltanwendung, sagte Radionowa weiter.

NABU vermutet Seuche

Naturschützer hingegen halten es für unwahrscheinlich, dass so viele Tiere auf einmal durch Sauerstoffmangel sterben. Der russische Experte Vitalij Kovalev, der beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) das Kaukasusprogramm leitet und direkten Kontakt zu Umweltschützern am Kaspischen Meer hält, sagte: "Ein Gasaustritt kann rein theoretisch ein Grund sein, aber nicht so großflächig, wie wir das jetzt sehen." Seiner Einschätzung nach könnte eine Seuche die Ursache für das Massensterben sein - möglicherweise ein Virus. Um das nachzuweisen, müssten Gewebeproben genommen werden.

"Es ist klar, dass die Tiere nicht alle gleichzeitig gestorben sind", sagte Kovalev weiter. Die Kadaver würden an verschiedenen Stellen der Küste gefunden. Wegen stürmischen Wetters sei die Ursachensuche auf hoher See aber nicht einfach. Es sei auch wahrscheinlich, dass noch mehr Tiere gefunden würden.

Kovalev sagte auch, dass die These von natürlichen Ursachen von den russischen Behörden - wie jetzt mit dem Sauerstoffmangel - immer wieder vorgebracht würden. Unabhängige Wissenschaftler würden daran aber zweifeln.

Kaspische Robbe unter besonderem Schutz

Die Kaspische Robbe gehört zu den vom Aussterben bedrohten Arten und steht unter besonderem Schutz. Ihr Bestand ist in den vergangenen 100 Jahren laut Tierschützern um rund 90 Prozent zurückgegangen, wie Kovalev für den NABU ermittelt hat. Gründe für das Sterben seien auch die Verschmutzung des Kaspischen Meeres, wo etwa Öl und Gas gefördert wird. Die Tiere sterben nach Angaben von Experten durch Öllecks, Wilderei und Überfischung.

Auch regierungsnahe Umweltexperten forderten eine Aufklärung des Massensterbens. Behörden hatten die Zahl der gefundenen Kadaver am Wochenende mehrfach nach oben korrigiert. Sie schlossen nicht aus, dass sie sich noch deutlich erhöht.

Seit 2008 auf der Roten Liste

Nach Angaben des NABU wurde die Kaspische Robbe 2008 in die Rote Liste der bedrohten Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) aufgenommen und ist aktuell in der Kategorie "stark gefährdet" eingestuft. Zur tatsächlichen Population gibt es keine verlässlichen Daten.

Unabhängigen Schätzungen nach gibt es 68.000 von ursprünglich über einer Million Tiere auf der gesamten Fläche des Kaspischen Meeres. Dagegen sprechen die russischen Behörden von Hunderttausenden verbliebenen Exemplaren. Sie teilten mit, dass der Tod von Tausenden Tieren wie jetzt da nicht weiter ins Gewicht falle.