Sergej Lawrow | REUTERS

Nach Berichten über Klinikaufenthalt Lawrow zeigt sich wohlauf

Stand: 14.11.2022 19:44 Uhr

Als Ersatz für Kremlchef Putin ist Russlands Außenminister Lawrow zum G20-Gipfel nach Bali gereist. Schon vorab sorgen ein angeblicher Krankenhausaufenthalt und das Handy des Ministers für Irritationen.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat sich nach Berichten über einen Krankenhausaufenthalt auf der Ferieninsel Bali munter gezeigt. Der 72-Jährige ließ ein Video veröffentlichen, das ihn beim Lesen auf einer Terrasse mit Palmen und Meer im Hintergrund zeigt.

Lawrow nimmt auf der indonesischen Ferieninsel als Vertreter von Wladimir Putin am G20-Gipfel führender Industrie- und Schwellenländer teil. Der Kremlchef hatte seine Teilnahme am Treffen der Staats- und Regierungschefs in Folge des Kriegs gegen die Ukraine abgesagt.

Berichte über angeblichen Krankenhausaufenthalt

Lawrow trug in dem Video, das sein eigenes Ministerium veröffentlichte, ein blaues T-Shirt mit Krone und dem Schriftzug Basquiat - eine Erinnerung an den 1988 gestorbenen US-Künstler Jean-Michel Basquiat. Er berichtete, dass er sich auf seine Auftritte beim Gipfel an diesem Dienstag vorbereite.

Zuvor hatten auf Bali Berichte die Runde gemacht, dass der Russe - einer der dienstältesten Außenminister weltweit - gleich am Abend zuvor ins Krankenhaus gemusst habe.

Gouverneur hatte Aufenthalt bestätigt

Die Nachrichtenagentur AP hatte dabei unter Berufung auf indonesische Behörden gemeldet, Lawrow sei nach seiner Ankunft auf Bali ins Krankenhaus gebracht worden. Der 72-Jährige sei dort wegen einer Herzgeschichte gewesen.

Auch der Gouverneur von Bali, I Wayan Koster, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Lawrow habe kurz das Krankenhaus in Sanglah besucht und sei dort untersucht worden. "Er war bei guter Gesundheit", sagte Koster. Nach der Untersuchung habe Lawrow sofort das Hospital verlassen.

Russland dementiert Gerüchte über Krankenhausbesuch

Das russische Außenministerium dementierte die Berichte über den angeblichen Krankenhausaufenthalt. "Wir sind hier mit Sergej Wiktorowitsch in Indonesien und lesen den Ticker und trauen unseren Augen nicht", teilte Ministeriumssprecherin Sacharowa in Nusa Dua mit. Das sei nun schon die höchste Form der Falschnachrichten.

Wenig später veröffentlichte sie das Video. Darin sagte Lawrow auch: "Über unseren Präsidenten wird schon seit zehn Jahren geschrieben, dass er krank war. Das ist so ein Spiel, das nicht neu ist in der Politik." Immer wieder gibt es Berichte - unter Berufung etwa auf westliche Geheimdienste oder Informanten - über verschiedene schwere Krankheiten Putins. Der Kreml teilte dazu mit, dass dem Präsidenten nichts fehle.

Experten weisen darauf hin, dass das Streuen solcher Informationen beliebt bei Geheimdiensten sei, um etwa autoritäre Politiker als schwach und verletzlich darzustellen. Lawrow forderte die westlichen Medien auf, "ehrlicher" und "häufiger die Wahrheit" zu berichten. Dagegen werfen die USA und die EU Russland gezielte Lügen, Propaganda und Desinformation vor.

G20-Erklärung soll Krieg benennen

In dem Video des Ministeriums sagte Lawrow weiter: "Wir werden morgen die Abschlusserklärung annehmen." Zugleich erklärte er, dass die Verhandlungen zum Schlussdokument andauerten. Russland dürfte dabei vor allem auf die Formulierungen zu seinem Krieg gegen die Ukraine schauen. Nach Angaben eines westlichen Diplomaten wird der russische Angriff dabei ganz klar als Krieg bezeichnet und nicht wie normalerweise von Präsident Putin als militärische Spezialoperation.

Zuvor hatte Lawrow am Rande eines Gipfels der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean in Kambodscha gesagt, dass eine gemeinsame Abschlusserklärung dort am Streit um den Wortlaut zur Situation in der Ukraine gescheitert sei. Anschließend reiste er nach Bali weiter.

Diskussion über Lawrows westliche Technik

Lawrows Sprecherin reagierte außerdem auf eine Diskussion in den sozialen Netzwerken um die im Video sichtbare westliche Technik des Ministers. Erst wies sie empört zurück, dass der Minister eine Uhr des US-Konzerns Apple trage.

Als ein russischer Kommentator nachhakte, ob das iPhone des Ministers kein Risiko wegen möglicher Zugriffe von Geheimdiensten sei, dankte Sacharowa dafür, dass er sich Sorgen um die Sicherheit mache. "Aber ich sehe es auch so, dass wir unsere Telefone und Computer selbst hätten entwickeln sollen", sagte Sacharowa. Russische Politiker sehen sich oft in der Kritik, gegen den Westen zu schimpfen, aber seinen technischen Fortschritt zu genießen.